Corona-Krise: Ausgerechnet jetzt sollen Inkasso-Unternehmen Gebühren erhöhen. Wir machen da nicht mit.

Rund 34.800 Todesfälle durch Corona, 2,7 Millionen Arbeitslose und immer noch über eine halbe Million Menschen in Kurzarbeit. Und doch sollen wir genau jetzt unsere Gebühren für Inkasso-Forderungen erhöhen. Ohne uns, wir verzichten auf dieses Geld.

Der 1. Januar 2021 war Stichtag: Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit trat die Änderung eines Gesetzes mit dem sperrigen Namen „Rechtsanwaltsvergütungsgesetz“ (RVG) in Kraft. Aber das hat es in sich: Steigen doch von einen Tag auf den anderen die Gebühren für Inkassofälle um etwa zehn Prozent. Gesetzlich geregelt sollen so höhere Kosten für Sach- und Personalkosten bei Rechtsanwälten und Inkassounternehmen aufgefangen werden. Der Anstieg kommt jetzt, bevor dann im Oktober eine Absenkung der Inkassovergütungen greift. Für den Otto-Normal-Verbraucher nur schwer zu verstehen.

Ohne Frage: Die Corona-Krise hat die finanzielle Situation vieler Haushalte teilweise dramatisch verschärft. Jeder zehnte Erwachsene in Deutschland könnte deswegen bald überschuldet sein. Wenn wir diese Menschen jetzt zusätzlich mit höheren Gebühren belasten, schlagen wir den falschen Weg ein. Es ist aus unserer Sicht auch das falsche Signal, inmitten der Corona-Pandemie an der “Gebührenschraube” zu drehen. Das machen wir bei Paigo nicht, heißt: Wir halten die Gebühren stabil, federn die Erhöhung intern ab.

Worauf wir verzichten
Damit jeder unsere Gebühren besser nachvollziehen kann, lehnt sich Paigo an das RVG an. So machen es die meisten seriösen Inkassounternehmen. Das bedeutet aber auch, dass wir an das Gesetz gebunden sind. Unser Dilemma in dieser Situation: Wir sind verpflichtet, die Gebühren auf der Basis der Gesetzesänderung anzupassen.

Wir machen das zwar so, allerdings gleichen wir die gesetzliche Erhöhung aus. Wie? Indem wir unseren Gebührenfaktor in allen Fällen um 0,1 Punkte senken. Das hört sich nach wenig an, macht aber bei durchschnittlichen Inkassogebühren von 70 Euro etwa 6 Euro aus. Viel Geld für Menschen, die sowieso schon finanziell unter Druck sind. Bei Kleinforderungen haben wir bereits zuvor häufig geringere Gebühren als üblich angesetzt. Aber auch hier senken wir in vielen Fällen die Gebühren nochmals, teilweise sogar unterhalb des bisherigen Niveaus. Wir entlasten damit die Betroffenen meist stärker als zehn Prozent.

Wir sind davon überzeugt, dass es richtig ist, die Gebühren jetzt stabil zu halten. Aber bitte nicht falsch verstehen: Wir sind auch der Meinung, dass Waren oder Dienstleistungen bezahlt werden müssen. Damit Unternehmen am Ende nicht auf ihren Kosten sitzen bleiben.

Wir übernehmen Verantwortung
Viele Menschen in Deutschland leiden derzeit massiv unter den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie. Sie benötigen mehr denn je Unterstützung. Mit dem jetzigen Schritt wollen wir unseren kleinen Beitrag leisten. Das sehen wir als Teil unserer gesellschaftlichen Verantwortung. Schließlich ist eines unserer wichtigsten Ziele, dass Menschen wieder ihren Weg aus schwierigen finanziellen Situationen herausfinden und ihre finanzielle Selbstbestimmung zurückerhalten.

Sven Schneider ist Geschäftsführer bei Paigo und arbeitet seit 15 Jahren in führenden Positionen in der Branche. Zusammen mit rund 1.400 Mitarbeitern setzt er sich für eine neue Art Inkasso ein.