Plötzlich weniger Geld durch Corona: So entgehen Sie der Überschuldung

Finanzielle Engpässe gehören zum Leben. Doch wenn durch Corona weniger Geld zum Dauerzustand wird, müssen Sie einer Überschuldung vorbeugen, und das funktioniert nur durch das Senken Ihrer Ausgaben.

Die Aufträge bleiben aus, die Kurzarbeit beschert weniger Gehalt. Oder Sie haben Ihren Job gleich ganz verloren und erhalten Arbeitslosengeld. Warum Ihnen durch die Corona-Pandemie weniger Geld zur Verfügung steht, ist erst einmal zweitrangig. Das Ergebnis bleibt gleich: Das Guthaben auf dem Konto schmilzt. Sie geraten dem Dispo gefährlich nah oder befinden sich bereits im Minus. Genau jetzt ist der Zeitpunkt, an dem Sie einer Überschuldung vorbeugen können und müssen.

Tipp 1: Weniger Geld durch Corona: Sehen Sie den Tatsachen ins Auge
Der erste Schritt ist vielleicht der schmerzhafteste. Sie müssen sich eingestehen, dass sich Ihre finanzielle Situation geändert hat. Ignorieren und vor sich herschieben helfen nicht. Reden Sie mit Ihrer Familie und Freunden darüber. Es ist keine Schande durch Corona weniger Geld zu verdienen, denn Sie sind garantiert nicht der Einzige. Viele Kleinunternehmer*innen und Einzelunternehmer*innen geht es genauso. Gleichermaßen befinden sich viele Angestellte in Branchen wie Tourismus und Gastronomie in Kurzarbeit oder haben ihre Jobs verloren. Auch wenn Sie sich überhaupt nicht gerne mit Finanzen beschäftigen: Sie müssen da jetzt einfach durch.

Fazit: Überwinden Sie Ihren Schweinehund und bewerten Sie Ihre Lage ehrlich und nüchtern - Sie tun es für sich und Ihre Lieben.

Tipp 2: Schulden vermeiden durch Budgetanalyse
Analysieren Sie Ihre monatlichen Einnahmen und Ausgaben. Sie können das manuell anhand Ihrer Kontoauszüge erledigen und entsprechende Posten in eine Tabelle eintragen. Oder Sie laden sich eine der kostenlosen Finanz-Apps herunter. Sehr nützlich ist beispielsweise die App Finanzguru. Dort meldet man sich einmal mit seinen Kontendaten an. Die App zieht sich Einnahmen und Ausgaben automatisch von Ihrem Konto herunter und schlüsselt diese auf. Sie werden überrascht sein, wofür Sie im Jahr wie viel Geld ausgeben.

Fazit: Verschaffen Sie sich einen Überblick. Ob von Hand geschriebene Liste, Eintrag in Excel-Tabelle oder per App spielt keine Rolle, wichtig ist nur, dass Sie es tun.

Tipp 3: Schulden vermeiden durch Prüfung regelmäßiger Ausgaben
Prüfen Sie Ihre wiederkehrenden Ausgaben. Dazu zählen unter anderem Mobilfunkverträge, Telefon/Internet, Zeitschriftenabonnements, Leasingverträge, Mitgliedschaften bei Amazon Prime und im Fitnessstudio, Heizung und Strom.
Sie besuchen das Fitness-Studio schon seit einem halben Jahr nicht mehr? Wunderbar, dann kündigen Sie das. Auch bei Mobilfunkverträgen besteht häufig eine gute Chance die Kosten zu senken. Wer beispielsweise nicht mehr so viel reist, kann sich von der weltweiten Flatrate für 50 Euro pro Monat gut trennen. Stattdessen tut’s auch die günstige für 8 Euro pro Monat: Eine sagenhafte Ersparnis von 504 Euro pro Jahr ist die Belohnung. Manchmal taucht beim Blick in die Kontoauszüge noch ein vergessenes Abo auf – nicht zur Seite legen, sondern setzen Sie das Kündigungsschreiben sofort auf.
Das Problem: Manchmal haben die Verträge lange Kündigungsfristen. Suchen Sie in diesem Fall das Gespräch mit Ihrem Vertragspartner. Natürlich laufen bei vielen durch Corona die Geschäfte schlecht. Manchmal entspricht die Reaktion auf eine Kündigung aber einfach nicht dem Gesetz.

Fazit: Überprüfen Sie wiederkehrende Ausgaben. Trennen Sie sich von Verträgen, die Sie nicht nutzen oder auf die Sie verzichten können.

Tipp 4: Verschuldung vorbeugen durch Kündigen überflüssiger Versicherungen
Es gibt Muss-, Kann- und schlicht überflüssige Versicherungen. Zu den Muss-Versicherungen zählen Krankenversicherung, Privathaftpflicht und die preiswerte Auslandskrankenversicherung. Wer eine Familie abzusichern hat, für den ist auch die Risikolebensversicherung wichtig. Zu den Kann-Versicherungen zählt die Hausratversicherung. Wer ein Auto fährt, kommt um die Kfz-Haftpflicht nicht herum. Falls Ihr Auto bereits einige Jahre auf dem Buckel hat, lösen Sie sich von Teil- oder Vollkasko. Überflüssig sind Handy-Brillen- und Reisegepäckversicherungen.
Kapitallebens- und Rentenversicherungen haben hohe laufende Kosten und Abschlussprovisionen. Falls Sie einen Vertrag dieser Art haben, sollten Sie ihn durchrechnen. Statt Kündigung besteht die Möglichkeit, dass der Versicherer Ihnen die Beiträge stundet. Dann bleibt die Versicherung bestehen, Sie müssen die Beiträge aber später bezahlen. Falls es sich um einen ungünstigen Vertrag handelt, stellen Sie ihn beitragsfrei. Möglicherweise können Sie den Vertrag sogar wegen Formfehler kündigen. Sie erhalten dann alle eingezahlten Beiträge zurück.

Fazit: Prüfen Sie Ihre Verträge bei Versicherungen und Altersvorsorge und kündigen Sie unnütze Sachversicherungen. Rechnen Sie Kapitallebens- und Rentenversicherungen durch. Stellen Sie ungünstige Verträge beitragsfrei oder kündigen Sie diesen aufgrund von Formfehlern.

Tipp 5: Weniger Schulden durch weniger Lebensmittelverschwendung
Knapp elf Prozent ihres Budgets geben Deutsche für Lebensmittel aus. Das ist im europäischen Vergleich zwar wenig, trotzdem gibt es Sparpotenzial. Durchschnittlich wirft nämlich jeder in Deutschland jährlich 85 Kilo Lebensmittel weg. Das ist nicht nur Lebensmittelverschwendung, sondern auch Geldverschwendung. Und schlecht für die CO2-Bilanz ist es außerdem. Kaufen Sie bewusst und dadurch weniger ein. Das geht sehr einfach: Checken Sie vor dem Einkauf Ihren Kühlschrank und schreiben Sie danach den altbewährten Einkaufszettel. Vorteil: Sie vergessen nichts und kaufen nur das, was Sie brauchen. Mittlerweise ist übrigens bekannt, dass hungrige Menschen eher der Versuchung von Impulskäufen unterliegen. Essen Sie notfalls eine Kleinigkeit bevor Sie das Geschäft betreten.

Fazit: Mit Einkaufsliste und vollem Magen vermeiden Sie Impulskäufe, Lebensmittel- und Geldverschwendung.

Tipp 6: Vermeiden Sie Schulden durch preisbewusstes Einkaufen
Der Einzelhandel macht es einem nicht immer leicht. Manchmal stehen Sie vor fünf verschiedenen Tomatensorten in fünf Verpackungsgrößen. Darunter sind oft Größen wie 300 Gramm oder 650 Gramm, die einen Preisvergleich erschweren. Achten Sie bei der Auswahl auf den 100-Gramm bzw. Kilogramm-Preis. Diese Auszeichnung ist in Deutschland Pflicht.
Discounter und Handelsmarken sind günstiger als Supermärkte und Markenprodukte. Das soll nicht heißen, dass Sie stets das Billigste kaufen sollen. Eine mögliche Strategie: Bio-Lebensmittel im Discounter kaufen ist oft genauso teuer wie konventionelle Ware im Supermarkt. Und: Der Kauf saisonaler Obst- und Gemüsesorten schont nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Umwelt. Fertiggerichte sind teuer und meist auch nicht besonders gesund. Besser: Kochen Sie selbst. Beispiel: Drei Liter Suppe aus einem 1,5 Kg Hokkaido-Kürbis sind nicht nur lecker, sondern einfach zu zubereiten und günstig.

Fazit: Vergleichen Sie Preise und bevorzugen Sie saisonales Obst und Gemüse. Vermeiden Sie Fertigprodukte und kochen Sie selbst.

Tipp 7: Mit Steuererklärung Geld zurückholen und Schulden vorbeugen
Als Selbstständiger müssen Sie eine Steuererklärung abgeben, als Angestellter nicht unbedingt. Rund elf Millionen Deutsche geben keine Steuerklärung ab. Das ist ein Fehler, denn 87 Prozent aller abgegebenen Steuererklärungen führen zu einer Steuererstattung. Im Durchschnitt beträgt die Rückzahlung vom Finanzamt laut Statistischem Bundesamt 1.027 Euro. Falls Sie sich bislang davor gedrückt haben: Jetzt ist die Zeit das zu ändern. Den Tausender kann sich in der Corona-Krise keiner entgehen lassen.
Beispiel: Allein schon durch Werbungskosten erhält fast jeder Arbeitnehmer Geld vom Finanzamt zurück. Zu den Werbungskosten zählen u.a. die Fahrten zur Arbeit. Liegt Ihr täglicher Arbeitsplatz mehr als 15 Kilometer entfernt liegt, überschreitet allein schon die abzugsfähige Entfernungspauschale die Werbungskostenpauschale von 1000 Euro. Per Elster können Sie Ihre Steuererklärung online erledigen. Falls Sie Hilfe brauchen: Sie müssen keinen teuren Steuerberater konsultieren, sondern können sich an einen Lohnsteuerhilfeverein wenden.

Fazit: Holen Sie sich mit Ihrer Steuererklärung zu viel bezahlte Steuern vom Finanzamt zurück. Sie haben durch Corona nichts zu verschenken.

Tipp 8: Dispo-Zinsen vermeiden und damit einer Neuverschuldung entgehen
Wenn Ihr Dispo schon chronisch im Minus ist, dann sollten Sie vorhandenes Geld nutzen um Ihren Dispo-Schulden auszugleichen. Die Dispozinsen liegen selbst in dieser Niedrigzinsära zwischen 6 und 13 Prozent. Das heißt: Ist Ihr Konto im Schnitt mit 1000 Euro im Minus, geben Sie im Jahr zwischen 60 und 130 Euro nur für Zinsen aus. Bei 2000 Euro sind es schon 120 bis 260 Euro. Natürlich fallen auch auf die aufgelaufenen Zinsen – Sie ahnen es - Zinsen an. Der Zinseszins-Effekt ist nicht zu unterschätzen – im Guten, z.B. bei einer Geldanlage wie im Schlechten, also bei Schulden. Falls Sie Reserven auf einem Tagesgeldkonto haben, gleichen Sie damit den Dispo aus. Falls Sie keine Reserven haben, bitten Sie notfalls Ihnen nahestehende Personen zu helfen. Daran ist nichts Ehrenrühriges. Vereinbaren Sie einen schriftlichen Darlehensvertrag, in dem alle Details klar geregelt sind.

Fazit: Ein dauerhaft überzogenes Konto löst nicht Ihr Problem, sondern erhöht Ihre Schulden.

Tipp 9: Bei externer Schuldnerberatung auf Seriosität achten
Es gibt leider Trittbrettfahrer, die keine Skrupel haben mit der Not anderer Geld zu verdienen. Bei Angeboten, die schnelle „unbürokratische“ Lösungen versprechen und/oder nur online erreichbar sind, sollten Sie misstrauisch werden. Eine gute erste Anlaufstelle sind die Verbraucherzentralen.

Fazit: Bevor Sie externe Hilfe vereinbaren, checken Sie den Anbieter auf Seriosität

 

Sven Schneider arbeitet seit 15 Jahren für Arvato Financial Solutions, davon seit zwei Jahren in der Geschäftsführung. Zusammen mit rund 1400 Mitarbeitern setzt er sich ein für eine neue Art des Forderungsmanagements.