Warum Bonität so wichtig ist

Egal ob Mietvertrag, Kredit oder Online-Shopping: Eine gute Bonität ist Voraussetzung dafür, dass Sie Verträge abschließen können.

Sie erwarten Nachwuchs und brauchen dringend eine größere Mietwohnung. Oder Sie sind gerade dabei ein Haus zu kaufen. Der Haken: Die angepeilte Traumwohnung kostet 300 Euro mehr Miete pro Monat. Für die Wunschimmobilie müssen Sie eine Hypothek aufnehmen, die Ihre monatliche Belastung gar um 700 Euro erhöht. Die zentrale Frage: Können Sie sich das leisten?

Warum ist Bonität so wichtig?
Ob die Mehrausgaben zu Ihrem Gehalt passen, beurteilen Sie nicht allein. Auch ihr künftiger Vertragspartner entscheidet mit. Denn in beiden Fällen geht er mit Ihnen eine langfristige Geschäftsbeziehung und damit ein gewisses Risiko ein. Natürlich möchte der Vermieter seine Wohnung vermieten und klar, die Bank verdient mit Hypotheken gutes Geld. Das Geschäft lohnt sich aber für Ihren künftigen Vertragspartner nur, wenn Sie Ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen können - und wollen. Er wird das Geschäft nur mit Ihnen abschließen, wenn Sie eine „gute Bonität“ haben. Natürlich gilt das nicht nur für große Investitionen. Auch Mobilfunkbetreiber und Online-Shops wollen sichergehen, dass ihre Dienste bezahlt werden.

Eine Bonitätsprüfung ist immer dann wichtig, wenn ein Lieferant mit seinem Produkt in Vorleistung geht. Keiner will schließlich seinem Geld hinter rennen. Aber: Eine Bonitätsprüfung schützt Sie auch davor Verpflichtungen einzugehen, die Sie finanziell überfordern. Sie ist also in beiderseitigem Interesse. Wer dagegen eine „schlechte Bonität“ hat, kann nicht auf Rechnung kaufen, sondern muss häufig Vorkasse leisten. Das ist aber noch das kleinste Übel. Ohne Bonität erhalten Sie keinen Kredit, keine Hypothek und können im Ernstfall noch nicht einmal eine Wohnung mieten.


Bonitätsprüfung beim Online-Shopping
Natürlich ist es ein Unterschied, ob jemand eine elektrische Zahnbürste für 30 Euro online bestellt, einen Mietvertrag über monatlich 1200 Euro kalt abschließt oder eine Hypothek in sechsstelliger Höhe aufnehmen will. Die Bonitätsprüfung eines Online-Kaufs erfolgt quasi in Echtzeit beim Abschluss der Bestellung. Oftmals lässt sich anhand der vorgegebenen Zahlungskonditionen erahnen, wie der Lieferant Ihre Bonität einschätzt. Die Option „Kauf auf Rechnung“ bei der ersten Bestellung zeigt, dass der Lieferant Ihrer Zahlungsmoral vertraut. Das kommt nicht von ungefähr, denn Ihr Lieferant hat Zugriff auf Daten von Wirtschaftsauskunfteien, beispielsweise wie der infoscore Consumer Data GmbH, die ihm Aufschluss über ihr vergangenes Zahlungsverhalten geben.


Bonitätsprüfung bei Miet- und Kreditverträgen
Ein Forderungsausfall von 30 Euro lässt sich vielleicht noch verschmerzen. Und ein Autohändler kann sich notfalls das auf Pump gekaufte Auto zurückholen. Ein Mieter, der – aus welchen Gründen auch immer - über Monate oder gar Jahre keine Miete bezahlt, trifft einen Vermieter deutlich härter. Die Mieteinnahmen sind ja meist unwiederbringlich verloren. Daher lassen sich Vermieter vor Abschluss des Mietvertrags nicht nur Einkommensbelege zeigen, sondern fordern oft auch eine sogenannte Schufa-Bonitäts-Auskunft für Vermieter. Diese kostet stets 29,95 Euro und ist online über Ihre Hausbank oder die Schufa direkt erhältlich. Sie besteht zwar aus mehreren Seiten, Sie müssen Ihrem Vermieter aber nur die eine Seite mit dem Original-Zertifikat zeigen. Dieses Zertifikat beschreibt Ihre finanzielle Zuverlässigkeit in drei Abstufungen: positiv, neutral oder negativ - und zwar jeweils mit nur einem Satz. Für den Vermieter reicht das, um Ihre finanzielle Zuverlässigkeit einzuschätzen.

Da die Schufa Holding AG (Schufa = Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung) als Wirtschaftsauskunftei mehrheitlich Banken und Handelsunternehmen gehört, ist sie natürlich für ihre Eigentümer auch erste Wahl bei der Bonitätsprüfung für Kreditanträge. Wie andere Wirtschaftsauskunfteien auch, nutzt die Schufa Daten aus öffentlich zugänglichen Quellen. Neben Name, Adresse und Geburtsdatum sowie generellen Informationen zum Zahlungsverhalten gehören dazu Einträge aus Schuldnerverzeichnissen und gerichtlichen Mahnverfahren. Daraus entwickelt die Schufa einen sogenannten Scoring-Wert, der Aufschluss über Kreditwürdigkeit und Zahlungsmoral der jeweiligen Person gibt. Aus Sicht der Banken besteht ab einem Schufa-Scoring von 97,5 Prozent ein geringes Risiko, dass ein Kredit ausfällt.

Übrigens ist ein Schufa-Eintrag überhaupt nichts Schlimmes – ganz im Gegenteil: Jeder Mensch, der ein Girokonto führt und nicht nur bar bezahlt, hat auch einen Schufa-Eintrag. Die meisten Schufa-Einträge der rund 68 Millionen gespeicherten Personen in Deutschland sind positiv. Ein Schufa-Eintrag bedeutet also für die meisten Menschen, dass Sie ein zuverlässiger Teil des Wirtschaftslebens sind.


Was kann ich tun um meine Bonität zu verbessern?
Die Antwort ist im Grunde trivial: Bezahlen Sie Ihre Rechnungen, Ihre Miete und weitere Verpflichtungen pünktlich. Eine Mahnung aufgrund einer vergessenen Rechnung ist menschlich und ganz sicher kein Drama. Vermeiden Sie aber, dass ein gerichtliches Mahnverfahren eröffnet wird. Auch häufige Wohnort- und Kontenwechsel wirken sich negativ auf Ihre Bonität aus. Schlecht für die Bonität ist auch ein von der Bank gekündigter Kredit.

Sie haben übrigens das Recht Ihren Eintrag einzusehen. Bei der Schufa können Sie diese Selbstauskunft nach §15 DSGVO einfach online beantragen. Sie bekommen diese per Post zugeschickt. Diese Datenkopie ist kostenlos und hat – entgegen aller Gerüchte - keinerlei negative Auswirkung auf Ihren Scoring-Wert. Dieses Auskunftsrecht sollten Sie alle ein bis zwei Jahre in Anspruch nehmen, denn manchmal enthalten Datensätze schlicht falsche Informationen oder nicht mehr aktuelle Einträge. Auch dürfen negative Einträge nicht auf ewig gespeichert werden, die Schufa löscht negative Einträge in der Regel nach drei Jahren. Bei falschen oder älteren Einträgen sollten Sie einen Antrag auf deren Löschung stellen.


Weitere Infos zur Bonität finden Sie in unserem Ratgeber