Achtung bei Miete und Nebenkosten: weshalb Sie immer pünktlich zahlen sollten

Die Energiepreise und Mieten sind im Höhenflug. Insbesondere Geringverdienende kommen schnell an ihre finanziellen Grenzen, wenn plötzlich eine Nachzahlung für Strom oder Gas fällig wird. Oder sie können die Miete kaum noch aufbringen, weil das Leben immer teurer wird. Erfahren Sie, wie Sie eine solche Notlage vermeiden und wo Sie Hilfe erhalten.
Achtung bei Miete und Nebenkosten

Bei Elena und Michael ist das finanzielle Polster dünn. Beide verdienen in ihren Jobs gerade genug zum Leben. Seitdem sie eine hohe Rechnung für die Reparatur ihres Autos beglichen haben, tun sich ständig neue Lücken auf. Miete und Nebenkosten werden zum Monatsanfang fällig, der laufende Smartphone-Vertrag ist kein Schnäppchen und dann ist da noch der Ratenkredit für die Wohnzimmermöbel.
Das Paar ist unschlüssig. Welchen Verbindlichkeiten sollte es als Erstes nachkommen? Mit Blick auf die Konsequenzen raten Schuldnerberatungsstellen zu dieser Reihenfolge:

  1. An erster Stelle steht die Miete inklusive Nebenkosten, die an den Vermieter gezahlt werden. Der Grund: Wer nicht vollständig und pünktlich zahlt, verliert schlimmstenfalls sein Zuhause.
  2. Dann folgen Heizungs- und Stromkosten. Die Auswirkungen sind gravierend, wenn Schulden beim Energieversorger angehäuft werden. Denn dann bleibt die Wohnung kalt oder der Strom wird abgestellt.
  3. Erst wenn Miete, Strom und Heizung bezahlt sind, sollten Mieter alle weiteren Forderungen wie Mobilfunkvertrag und Tilgungsraten für den Kredit begleichen.
     

Was passiert, wenn ich die Miete nicht zahle?

Sofern Sie die Miete inklusive Nebenkostenabschlag nicht bis zum dritten Werktag nach Monatsbeginn überweisen, geraten Sie in einen Mietrückstand. Bleibt die Miete an zwei aufeinanderfolgenden Monaten komplett aus, droht Ihnen eine fristlose Kündigung. Der Vermieter kann Ihnen ebenfalls kündigen, wenn Sie den Betrag regelmäßig zu spät oder auch ständig nur teilweise begleichen.
Ziehen Sie nicht innerhalb von zwei Monaten aus, kann der Vermieter eine Räumungsklage vor Gericht anstrengen. Dies mag Ihnen Zeit verschaffen und unter Umständen lässt sich der Wohnungsverlust mit der Zahlung der Rückstände noch abwenden. Allerdings sollten Sie es nicht so weit kommen lassen. Schließlich verursacht ein Rechtsstreit Ärger und Kosten. Und am Ende können die Zwangsräumung der Wohnung und die Obdachlosigkeit stehen.
 

Und was geschieht, wenn ich den Versorger nicht bezahlen kann?

Sofern Ihre Außenstände 100 Euro bei Ihrem Stromversorger übersteigen, ist er berechtigt, die Belieferung einzustellen. Bei Gas gelten unter Umständen schon geringere Außenstände. Für eine Sperre müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein, etwa die Zusendung einer Mahnung, einer Sperrandrohung und der Ankündigung des Sperrtermins innerhalb bestimmter Fristen. Zudem darf eine Energiesperre nicht unverhältnismäßig sein. Dies könnte der Fall sein, wenn Kleinkinder oder Schwangere in der Wohnung leben.
 

Aber was tun, wenn das Geld eben nicht reicht?

Bevor Sie eine Miet- oder Abschlagszahlung für Strom und Gas aussetzen, sollten Sie das Gespräch mit dem Vermieter bzw. dem Energieversorger suchen. Erklären Sie Ihre Situation und versuchen Sie, eine einvernehmliche Lösung zu finden. Bitten Sie um eine Ratenzahlung oder Stundung.
Um wieder die Oberhand über Ihre finanzielle Situation zu gewinnen, sollten Sie das Problem aktiv angehen:

  • Sortieren Sie Ihre Rechnungen. Notieren Sie Ein- und Ausgaben und sorgen Sie für einen Überblick über Ihre Finanzen.
  • Vom Kaffee zum Mitnehmen bis zum Zeitschriften-Abo: Überlegen Sie, welche alltäglichen Ausgaben Sie einsparen können.
  • Reduzieren Sie die Heizkosten: Die Senkung der Raumtemperatur um einen Grad verringert die Ausgaben für die Heizenergie bereits um sechs Prozent!
  • Prüfen Sie, ob es auch beim Strom im Alltag Einsparpotenzial gibt.
  • Verkaufen Sie gebrauchte Dinge, die Sie nicht mehr benötigen.
  • Suchen Sie eine Schuldnerberatungsstelle auf.
     

Wann die Nebenkostenabrechnung kommt

Aufgrund steigender Energiepreise müssen viele Verbraucher mit Nachzahlungen rechnen. Der Vermieter hat nach dem Ende des Abrechnungszeitraums ein Jahr Zeit, die Nebenkostenabrechnung zu erstellen. Strom- und Gasanbieter müssen die Jahresabrechnung innerhalb von sechs Wochen nach Ende des Abrechnungszeitraums versenden. In Ihrem Vertrag ist aufgeführt, wann dieser Zeitraum endet.

Tipp: Ihr Verbrauch sollte zu den Abschlagszahlungen passen. Lesen Sie regelmäßig Ihre Zählerstände ab. Markieren Sie sich die Termine der Jahresabrechnungen im Kalender, um auf mögliche Nachzahlungen vorbereitet zu sein.

Mieterverbände schätzen, dass jede zweite Nebenkostenabrechnung nicht korrekt ist. Die „Stiftung Warentest“ listet in diesem Beitrag auf, welche Punkte Sie prüfen sollten, um mögliche Fehler zu entdecken. Auch die Rechnungen der Energieversorger sollten Sie unter die Lupe nehmen, die Werte mit den Zählerständen abgleichen und bei Fehlern Widerspruch einlegen.
 

Hilfe bei Miet- und Energieschulden

Sofern Sie Arbeitslosengeld II erhalten, können Sie beim Jobcenter einen Antrag auf Übernahme der Miet- und Energieschulden als Darlehen stellen. Falls Sie keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld II haben, sollten Sie sich an das Sozialamt wenden. In Ausnahmefällen kann dieses Text: bei Miet- und Energieschulden einspringen und Ihnen ein Darlehen gewähren. Fragen Sie dort auch gleich nach, ob Sie generell Anspruch auf Wohngeld haben, was Ihre finanzielle Situation ebenfalls erleichtern würde. Zudem könnte das Beratungs- und Hilfsprogramm Stromspar-Check für Sie interessant sein. Neben individuellen Informationen zum Energiesparen umfasst es eine Prämie für den Kauf eines neuen, effizienten Kühlschranks oder Gefriergeräts.

Fazit: Zahlen Sie Ihre Miete und Ihre Nebenkosten pünktlich und vollständig. Wenn ihre finanzielle Lage dies kaum mehr erlaubt, sprechen Sie mit dem Vermieter und dem Energieversorger. Holen Sie sich Hilfe bei Sozialamt, Jobcenter oder Schuldnerberatung.