Durch Kaufsucht in die Schuldenfalle

Es gibt immer mehr Menschen mit Zwängen und Süchten. Auch übermäßiges Shopping kann zwanghaft sein. Rund fünf Prozent der Erwachsenen sind kaufsuchtgefährdet. Auf Einkaufslust folgt dann Frust - wegen steigender Schulden.
Kaufsucht

Über vier Millionen Deutsche sind kaufsuchtgefährdet, zwischen 600.000 bis 800.000 direkt betroffen, so Schätzungen. Von der Kaufsucht sind alle Altersgruppen, Einkommens- und Bildungsschichten gleichermaßen betroffen. Melanie S. ist eine von ihnen. Die 26-jährige wohnt auf dem Land. Sie fühlt sich oft einsam. Doch, wenn der Paketbote kommt, freut sie sich. Deswegen bestellt sie fast täglich im Internet Dinge, die sie eigentlich gar nicht braucht.

Der Kauf gibt ihr einen Kick, sagt sie. Sie mag es, wenn ihre Bestellungen durch zahlreiche E-Mails bestätigt werden, der Versand angekündigt wird und die Lieferung immer näher rückt. Doch schon kurz nachdem die Sachen da sind, fühlt sie sich innerlich wieder leer. Dann überlegt sie wieder, was sie noch haben wollen könnte / müsste, unbedingt bräuchte. Dabei ist ihr Konto schon fast leer. Als Arzthelferin verdient sie gar nicht so viel Geld für all diese Online-Käufe. Doch das Online-Shoppen ist wie ein Zwang für sie, den sie nicht kontrollieren kann.

Exzessives Kaufverhalten ist eine Impulskontrollstörung

So wie Melanie geht es erstaunlich vielen Menschen, die dann oft in der Schuldenfalle landen. Schreiben von Versandhausunternehmen und Inkassofirmen kommen ins Haus, die für die überflüssigen Waren zu Recht ihr Geld verlangen.

Wie kommt es dazu? Für Außenstehende ist das meist unverständlich, doch es gibt ja auch andere Süchte. Alkohol, Kaffee und Zigaretten können ebenfalls zur Sucht führen, von der man nur schwer wieder loskommt.

Es ist eine Impulskontrollstörung, sagen die Experten. Menschen mit Kaufsucht, leiden an einem „unkontrollierten, exzessiven Kaufverhalten“. Wenn das Kaufen-Wollen pathologisch, also krankhaft wird, gleiche es anderen, stoffungebundenen Suchterkrankungen, die durch ein Verhaltensmuster geprägt sind. Sie ähnelt also Erkrankungen wie Glücksspielsucht, Magersucht oder Sexsucht. Kaufsucht ist also eine psychische Abhängigkeit. Sie kann beim „Absetzen“ auch zu körperlichen Symptomen wie innere Unruhe oder Schlafstörungen führen.

Natürlich kaufen die meisten Menschen gerne ein. Dagegen ist natürlich gar nichts zu sagen. Für viele Menschen ist Shopping eine Freizeitbeschäftigung, ein schönes Hobby. Doch die Grenzen zum krankhaften Kaufverhalten sind fließend. Gefährlich wird es immer dann, wenn man für die bestellten Dinge eigentlich kein Geld hat.

Woran merke ich, dass ich kaufsüchtig bin?

  • Sie kaufen Dinge, die Sie gar nicht brauchen.
  • Schon bevor der Monat um ist, ist das Konto leer.
  • Wenn die monatlich zur Verfügung stehenden Mittel verbraucht sind, fragen Sie Freunde, Familie oder Bekannte.
  • Sie kaufen gerne, zahlen in Raten.
  • Briefe öffnen Sie oft nicht.
  • Auf neue Technik können Sie nicht verzichten. Höchste Priorität hat auch Ihr äußeres Erscheinungsbild.
  • Kaufen dient Ihnen als Trost, Belohnung, Entspannung oder Ablenkung.
  • Sie fühlen einen inneren Drang zur Wiederholung.
  • Gedanken ans Einkaufen nehmen immer mehr Raum ein.
  • Sie haben Entzugserscheinungen, wie Unruhe, Gereiztheit, Kopfschmerzen oder Angst.
  • Kurzen Glücksmomenten nach dem Kauf folgen Schuldgefühle.
     

Folgen der Kaufsucht können sozialer Rückzug und Depressionen sein, wobei vorhandene Depressionen wiederum auch Anlass für Kaufsucht sind. Frauen sind zumeist häufiger kaufsüchtig, doch die Zahl abhängiger Männer nimmt zu.

Wer kaufsüchtig ist merkt das oft nicht sofort. Deshalb sollte auch jemand der nur einige Symptome aufweist seinen Arzt, einen Psychotherapeuten oder eine Suchtberatungsstelle aufsuchen. Kaufsucht gilt bislang nicht als eigenständige Suchterkrankung, ist aber eine Persönlichkeitsstörung, die durch eine Verhaltenstherapie oder auch in einer Selbsthilfegruppe zusammen mit anderen Betroffenen behandelt und geheilt werden kann.

Wer dort dann herausfindet, was einem im Leben wirklich fehlt, welche Leerstelle man durch die rauschhaften Einkäufe zu füllen versucht, hat gute Chancen, in Zukunft enthaltsamer, also ohne überflüssige Einkäufe, zu leben. Statt einzukaufen, könnte sich Melanie ein anderes, „ungefährlicheres“ Hobby suchen, etwa neue Freunde finden, tanzen gehen, Grundschulkindern vorlesen oder bei der freiwilligen Feuerwehr mitmachen. Es gibt viele Alternativen zum Shopping.

Tipps bei Kaufsucht
  • Mit Bargeld einkaufen: Bargeld vermittelt den Eindruck etwas Materiellem mit Wert und dass man es beim Ausgeben verliert.
  • Kreditkarten vermeiden: Kartenzahlungen verführen, da nichts Physisches ausgegeben wird. Kreditkarten können problematisch sein, da die Abrechnung nach hinten verschoben wird.
  • Das Shoppen durch neue Hobbys ersetzen: regelmäßig mit Freunden treffen, im Sportverein anmelden, oder ehrenamtliches Engagement finden.
  • Unruhezustände, Sorgen, Ängste durch Sport und Bewegung lindern. Entspannungsmethoden wie Yoga, autogenes Training oder Meditation helfen gegen akute, zwanghafte Gedanken.
  • Sich guten Freunden und engen Verwandten anvertrauen und offen über die Kaufsucht sprechen .