Einmal im Jahr wechseln: Viel Geld sparen bei der Autoversicherung

Auch wenn manche es verdrängen, ein Auto zu haben, kostet einiges an Geld: Wertverlust, KfZ-Steuer, Inspektionen, TÜV, Benzin, Diesel oder Strom. Doch bei der obligatorischen Autoversicherung kann man viel Geld sparen, wenn man wechselt.

Einmal im Jahr, meist im Januar, wird Autobesitzern eine größere Summe vom Konto abgebucht: Der Versicherungsbeitrag. Andere zahlen monatlich oder quartalsweise, wofür die Versicherer einen Zuschlag verlangen. Jeder, der ein Auto hat, muss eine Versicherung abschließen. Das gilt für die Haftpflicht - Teil- oder Vollkasko nehmen die meisten Autofahrer noch dazu, um Schäden am eigenen Auto abzusichern.

Schon seit 1939 verlangte der Gesetzgeber mit der „Allgemeinen Versicherungspflicht für Kraftfahrzeughalter“ bei der Zulassung einen Haftpflichtnachweis. Seit 2008 gibt es ihn digital - als siebenstelligen alphanumerischen Code. Die Versicherung übermittelt die elektronische Versicherungsbestätigung (eVB) an die Zulassungsstelle.

Für die Versicherer ist die Kfz-Versicherung eine gute Sache, denn sie gilt als Einstieg für den Verkauf weiterer Versicherungen beim Kunden. Weil die Versicherer auf Anschlussverträge hoffen, werden Kfz-Versicherungen günstig kalkuliert. 

  • Die Pflicht-Haftpflichtversicherung schützt bei einem Unfall fremde Personen- und Sachschäden. Die freiwillige Teilkasko zahlt Schäden am eigenen Auto bei Diebstahl, Elementarschäden und Zusammenstößen mit Haarwild.  
  • Wer ein wertvolles Auto besitzt, ein Leasing- oder, kreditfinanziertes Fahrzeug fährt, oder auf Nummer sicher gehen will, wählt die Vollkasko - sie deckt auch selbstverursachte Schäden am eigenen Auto und Vandalismusschäden ab.  
  • Die Teilkasko ersetzt in der Regel den Zeitwert des Autos. Die Vollkasko zahlt in den ersten Monaten den Neupreis des Wagens, teils auch länger. Danach ersetzt auch die Vollkasko nur noch den Zeitwert.
  • Daneben gibt es rund ums Auto noch Schutzbriefe und Verkehrsrechtschutz sowie, weniger wichtig, Gepäck- und Unfallinsassenversicherungen.

Riesenauswahl an KFZ-Versicherern  

19,7 Millionen Deutsche haben eine Kfz-Versicherung abgeschlossen, so die Zahlen des  Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. Die Auswahl an Versicherern ist groß. Autofahrer können unter 92 Unternehmen in Deutschland auswählen. Wegen der Coronakrise haben sie viel Geld gespart, da es viel weniger Unfälle gab, die reguliert werden mussten. Einige Unternehmen haben ihren Versicherten deswegen Geld zurückgezahlt. Denn die Prämien werden unter anderem nach der jährlichen Fahrleistung berechnet. Wer weniger fährt, bezahlt auch weniger. 

Die Gesellschaften berechnen ihre Prämien nach vielen verschiedenen, individuellen Merkmalen, Wichtig sind die Fahrleistung, aber auch das Alter des Fahrers oder der Beruf. Geld sparen kann, wer sich für eine Werkstattbindung entscheidet und bei Schäden eine Selbstbeteiligung in Kauf nimmt. Positiv auf die Höhe der Versicherung wirken sich nur wenige namentlich genannte Fahrer aus, aber auch eigenes Wohneigentum oder eine eigene Garage fürs Auto.

Das Internet hat den Markt transparent gemacht. Die Versicherer haben mit einer Ausdifferenzierung der Tarife reagiert. Wer seine Versicherung mit den Preisen der Konkurrenz überprüft oder, wer es sich zur Regel macht, einmal im Jahr zu wechseln, kann viel Geld sparen – vor allem alle, die noch nie gewechselt haben. Wer sich eine neue Versicherung aussucht, kann bis zu 60 Prozent sparen, das sind bis zu 600 Euro jährlich, sagen die Experten des Vergleichsportals Verivox. Teilweise kommen auch noch einmalige Boni dazu. 

Wie finde ich einen guten, billigeren Tarif?

Meist läuft die Kfz-Versicherung zum Ende eines Jahres aus – also am 31. Dezember. Zu diesem Datum kann man die Versicherung in Textform (also z.B. elektronisch im Kundenportal, per E-Mail/Fax oder Brief) kündigen und wechseln. Da die Kündigungsfrist hier immer einen Monat beträgt, ist der wichtigste Stichtag der 30. November jeden Jahres. Daher sollte immer ein Nachweis der Kündigung aufbewahrt werden.    

Unabhängig von der Vertragslaufzeit, gibt es ein einmonatiges Sonderkündigungsrecht bei Beitragserhöhungen, sowie im Schadensfall und bei Fahrzeug- und Halterwechsel.

Wer wechseln will, findet die aktuellen Tarife auf Vergleichsportalen wie Check 24 , Verivox oder der NAFI GmbH. Nicht alle Versicherer machen mit, da sie Provisionen zahlen müssen. Deswegen empfiehlt Finanztip mindestens drei Vergleiche, inklusive einem beim Direktversicherer HUK24. Stiftung Warentest bietet für 7,50 Euro einen unabhängigen Vergleich an.

Deckungssumme ab pauschal 100 Millionen

Ein guter Kfz-Haftpflichtvertrag sollte eine Deckungssumme ab pauschal 100 Millionen Euro für Personen-, Sach- und Vermögensschäden enthalten. Das rät der Bund der Versicherten. Beim Kaskoschutz sollte die Versicherung den Verzicht auf die Einrede der groben Fahrlässigkeit erklären. Sonst bleibt der Versicherte bei einem Schaden, der durch grobe Fahrlässigkeit entstanden ist, auf den Kosten sitzen. Und bei der Wildschadenklausel sollten Schäden von Tieren aller Art versichert sein, zumindest bis 3000 Euro auch Marderbisse an Schläuchen oder Verkabelung sowie Folgeschäden.

Versicherer achten sehr auf die Risiken, belohnen aber auch unfallfreies Fahren: Bei Haftpflicht und Vollkasko gibt es deswegen den Schadenfreiheitsrabatt: Je länger ein Fahrer schadensfrei fährt, desto höher wird er, ausgedrückt durch die SF-Klasse.

Wer seinen Führerschein frisch erworben hat, steigt mit der Klasse 0 ein, einem Satz von mindestens 95 Prozent. Unter bestimmten Voraussetzungen kann man den SF-Rabatt auch von anderen, etwa Eltern und Großeltern übernehmen. Dazu muss man glaubhaft machen, dass man das Auto nicht nur gelegentlich gefahren ist. Nach Trennung bieten einige wenige Versicherer auch Verträge mit einem SF-Rabatt nach Dauer des Führerscheinbesitzes an.  

Autos werden je nach Unfallwahrscheinlichkeit in „Typklassen“ eingestuft. Die Versicherung für den 3er-BMW ist teurer als für einen VW Up. Dazu kommen Regionalklassen nach Postleitzahlen. Auf dem Land ist ein Auto billiger als in der Stadt. Zudem gibt es Spezialtarife für bestimmte Gruppen.  

Nicht durchsetzen konnten sich bislang Tarife, die mit Telematik-Apps das Fahrverhalten junger Fahrer auswerten, um sicheres Fahren zu belohnen.

Bevor man wechselt, sollte man sich überlegen, ob man Versicherer mit Geschäftsstellen bevorzugt oder ob einem ein Versicherer mit  Online- oder Telefonkontakt ausreicht. Erst später weiß man, wie gut und schnell die Versicherung im Schadensfall reagiert.

Viele wechseln jedes Jahr. Treue wird hier leider kaum belohnt. Im Gegenteil: Im zweiten Jahr erhöhen viele Kfz-Versicherungen die Preise. Deshalb sollte man sich regelmäßig neu informieren. Versicherer sind - außer in der Haftpflicht - nicht verpflichtet, jedermann zu versichern. Wer sehr viele Schäden hatte, keine gute Bonität besitzt oder Versicherungsbetrüger ist, hat schlechte Karten. Häufige Wechsel sollten allerdings nicht zu einer Ablehnung führen.