Geld statt Schulden: So regeln Frauen ihre Finanzen

Damit Frauen nicht in die Altersarmut rutschen, müssen sie sich in jungen Jahren um ihr Geld und ihre Finanzen kümmern. Gerade Teilzeit, unbezahlte Familienarbeit und Scheidung können zur Altersarmut führen.
Geld statt Schulden: So regeln Frauen ihre Finanzen

Petra Schmidt ist 47 und frisch geschieden. Seit der Geburt des zweiten Kinds vor 20 Jahren arbeitet die ausgebildete Diplom-Pädagogin nur noch 50 Prozent. Ihr Mann hat dagegen als Kfz-Meister stets Vollzeit gearbeitet und gut verdient.

Petras Glück: Sie hat ihren Ex-Mann bereits mit 23 Jahren geheiratet und erst danach ihre Kinder bekommen. Da kein Ehevertrag existiert, gilt für die Dauer der Ehe die Zugewinngemeinschaft. Die frisch Geschiedene profitiert damit vom Versorgungsausgleich, also dem Teil der Scheidung, mit dem das Gericht die während der Ehe erworbenen Rentenpunkte auf beide verteilt.

Zugewinngemeinschaft ist heute allerdings nicht mehr selbstverständlich: Bei jeder dritten Geburt sind Eltern nicht verheiratet oder es existiert ein Ehevertrag. Dieser schließt meistens den Zugewinn aus.

Tipp 1: Fairer Ausgleich von unbezahlter Familienarbeit

Der Klassiker: Nach der Geburt eines oder mehrerer Kinder arbeitet die Frau Teilzeit. Das bedeutet: Weniger Gehalt, weniger Rentenpunkte, weniger Luft für die private Altersvorsorge. Besonders nachteilig ist es, wenn

  1. die Frau von ihrem geringeren Gehalt auch noch überproportional hohe Familienausgaben wie Einkäufe und Kleidung bezahlt,
  2. sie – wie vorher bei vollem Gehalt – die Hälfte der gemeinsamen Miete oder Hypothek entrichtet,
  3. sie nicht verheiratet ist. Dann hat sie im Falle einer Trennung nämlich keinen Anspruch auf Unterhalt und Versorgungsausgleich

Fazit: Egal, ob Mann oder Frau: Wer zugunsten unbezahlter Familienarbeit seine Erwerbsarbeit reduziert, muss vom vollzeitarbeitenden Partner natürlich einen finanziellen Ausgleich erhalten. Das gilt insbesondere für unverheiratete Paare.

Tipp 2: Weniger Rentenbeiträge durch ETF-Sparpläne ausgleichen

Honorar-Finanzanlagenberater Michael Ritzau empfiehlt den fehlenden Rentenbeitrag beispielsweise durch ein oder zwei Sparpläne auf Aktien-ETFs auszugleichen. Ritzau: „Diese haben im Vergleich zu herkömmlichen Finanzprodukten nur einen Bruchteil der Kosten und bieten daher langfristig eine gute Nettorendite.“ Wichtig sei, zu verstehen: Je höher die Abschlussprovisionen und laufenden Kosten eines Finanzprodukts ausfallen, desto weniger Nettorendite bleibt für die Anlegerin übrig.

Was ist ein ETF?

Altersvorsorge in Aktien – ist das nicht zu riskant? Ritzau: „In der derzeitigen Nullzins-Ära sind Aktien ein wichtiger Baustein der Altersvorsorge, aber natürlich sollte keine Frau ihre Altersvorsorge ausschließlich in Aktien investieren.“ Bei den empfohlenen ETFs handle es sich zudem nicht um einzelne Aktien, sondern um ein breit diversifiziertes Investment. Ritzau: „Ein ETF besteht aus dutzenden bis zu über 1000 verschiedenen Einzelwerten.“

Wichtig sei, laut dem Honorarberater ein auf die „persönliche Risikoneigung und Risikofähigkeit abgestimmtes Portfolio“ auszuwählen. Und: Aktien-ETFs sollten stets als langfristiges Investment angesehen werden. „Da frischgebackene Eltern in der Regel aber noch jünger sind, haben sie bis zum Rentenalter noch viel Zeit und können daher auch Kursschwankungen aushalten“, erläutert der 56-jährige Finanzexperte.

Von Einzahlungen auf Tagesgeldkonten rät der Honorarberater dagegen ab: „Langfristiges Parken von Geldern auf Tagesgeldkonten führt gegenwärtig zu hohen Inflationsverlusten.“

Fazit: In guten Zeiten sollten Frauen auf einen fairen Ausgleich bei der Altersvorsorge bestehen. Dann haben sie als Rentnerin weniger Geldsorgen.

Tipp 3: Faire Verteilung der Kinderbetreuung

Eine andere Variante: Die Eltern lassen es gar nicht so weit kommen. Denn eigentlich ist es ja ganz einfach. Kein Paar wird dazu gezwungen, dass nur ein Elternteil seine Arbeitszeit runterfährt. Wenn beide ihre Arbeitszeit gleichermaßen, beispielsweise um einen Tag auf 80 Prozent reduzieren, muss der Nachwuchs nur zu 60 Prozent betreut werden.

Mit 80 Prozent haben beide nicht nur das gleiche Arbeitspensum, sondern beide auch gleiche Chancen, sich weiterzuentwickeln und Karriere zu machen. Mit 50 Prozent Arbeitszeit ist das schon deutlich schwieriger.

Fazit: Frauen sollten die Teilzeit-Rolle nicht als selbstverständlich akzeptieren, sondern bedenken, welche Konsequenzen die Reduzierung ihrer Arbeit langfristig auf ihre Finanzen und ihre Rente hat.

Tipp 4: Frauen und Finanzen: Faire Verteilung der Einnahmen und Kosten

Wer eine Familie gründet, dem muss klar sein: Ab jetzt arbeite ich auf gemeinsame Rechnung. Geld und Finanzen sind nun keine individuelle Entscheidung mehr, sondern betreffen alle Familienmitglieder.

Klingt unromantisch, aber am besten klärt ein Paar solche Fragen, bevor es heiratet oder Nachwuchs bekommt. Dann zeigt sich in der Regel schnell, wie der jeweils andere in Punkto Geld tickt.

Fazit: Tauchen schon beim ersten Gespräch über Geld große Unterschiede auf, sollte man sich genau überlegen, wie man die Zukunft in Sachen Finanzen gemeinsam gestaltet.

Tipp 5: Erst Schulden tilgen, dann Altersvorsorge

Falls bereits Schulden da sind, bitte erst die Schulden bezahlen oder das Dispo-Minus auf dem Girokonto ausgleichen. Erst wenn man schuldenfrei ist und eine Notfallreserve von drei Nettomonatsgehältern angespart hat, sollte man Geld langfristig in seine Altersvorsorge investieren.

Bei der Altersvorsorge kommt es nicht nur auf die Höhe der Summe an, sondern darauf, dass Frauen möglichst jung anfangen. „Wer früh anfängt, profitiert stärker vom Zinseszinseffekt und kann auch mit kleinen monatlichen Sparraten langfristig ein kleines Vermögen aufbauen“, weiß Honorarberater Ritzau.

Fazit: Falls Schulden da sind, erst diese bezahlen. Dann einen Überblick über Einnahmen und Ausgaben verschaffen. Und dann erst in die Altersvorsorge investieren. Kleine Summen genügen für den Anfang, diese sollten aber regelmäßig und mit langfristigem Anlagehorizont sein.

Tipp 6: Frauen und Finanzen: Mehr Geld im Alter durch Kündigen teurer Altersvorsorge-Produkte

Private Altersvorsorge per Kapitallebens- und Rentenversicherung verbergen manchmal hohe laufende Kosten und Abschlussprovisionen. Falls Sie einen Vertrag dieser Art haben, sollten Sie ihn durchrechnen lassen. Die Verbraucherzentralen sind dafür die richtige Anlaufstelle.


Fazit: Prüfen Sie Ihre bestehende Altersvorsorge. Rechnen Sie private Kapitallebens- und Rentenversicherungen durch, ggfs. mit Hilfe von Verbraucherzentralen. Stellen Sie ungünstige Verträge beitragsfrei oder kündigen Sie diese.