Handykosten: darauf müssen Sie achten

Ein neues iPhone für einen Euro plus Vertrag? So werben viele Anbieter und Shops um Kunden. Die monatlichen Vertragskosten werden häufig unterschätzt. Gerade für junge Erwachsene sind Handy-Verträge ein finanzielles Risiko. Sie zahlen monatlich oft mehr, als sie sich leisten können. Ihnen drohen hohe Schulden und ein möglicher Eintrag bei der Schufa. Dabei gibt es günstige Alternativen.

Smartphone-Verträge sind mit Abstand der größte Schuldenfaktor bei jungen Menschen. Laut Statistischem Bundesamt hatten 2018 fast zwei Drittel der unter 25-Jährigen, die eine Schuldnerberatungsstelle besuchten, Schulden bei Telefonanbietern. Die durchschnittliche Schuldenhöhe dieser Jugendlichen betrug 1.573 Euro. Der Hauptgrund dafür ist, dass junge Menschen hauptsächlich über ihr Handy kommunizieren. Oftmals wird ein viel zu teures Handy ausgewählt, um mit den Freunden mithalten zu können. Dazu wird dann ein Laufzeitvertrag abgeschlossen, weil so das gewünschte Gerät so erschwinglicher erscheint. Die fortwährenden Kosten über eine feste Laufzeit von 24 Monaten hinweg bilden in der Gesamtsumme jedoch einen hohen Betrag.

Besonders problematisch wird es, wenn ein neuer Handyvertrag abgeschlossen wird, ohne auf den Ablauf der Vertragsfrist des ersten Handys zu warten. Dann laufen zwei Verträge parallel - mit doppelten Kosten.


Wer sparen will, muss Prepaid und Verträge genau vergleichen

Prepaid und Verträge werden mit und ohne Smartphone angeboten. Einen Handyvertrag können Sie abschließen, sobald Sie 18 Jahre alt sind. Dabei entstehen einmalige Kosten und laufende Kosten, die jeden Monat fällig werden. Die Verträge laufen in der Regel über ein oder zwei Jahre. Oft werden die Kosten für das Handy auf die Monatsgebühren verteilt.

Als Alternative bieten sich Prepaid-Verfahren an. Hier gibt es keine langen Laufzeiten, die Kosten für Telefonieren, SMS und Surfen werden per Vorkasse gekauft, und auf das Guthabenkonto geladen. Das geht auch per App, SMS, in der Drogerie oder automatisch per Bankeinzug. Ist das Guthaben erschöpft, muss neues nachgeladen werden, sonst kann man nicht mehr telefonieren oder mobil surfen. Der Vorteil: es können keine Schulden entstehen wie bei einem Vertrag, denn beim Vertrag können die monatlichen Gebühren zu hoch gewählt werden. Prepaid-Verfahren bietet sich außerdem für Menschen mit einem Schufa-Eintrag und Schulden an. Die alte Rufnummer kann bei einem Wechsel von Vertrag auf Prepaid oft sogar mitgenommen werden. 

Die meisten Anbieter haben verschiedene Prepaid-Modelle im Angebot. Die günstigsten beginnen bei unter zehn Euro pro Monat und enthalten ein Datenvolumen zum mobilen Surfen, Telefonie-Flatrate und SMS-Versand. Unbedingt die Preise und Leistungen vergleichen!


Handy kaufen ohne Vertrag – alte Weisheiten gelten oft nicht mehr

Ein Vertrag mit Smartphone ist nicht zwingend teurer als ein Prepaid-Modell. Stiftung Warentest hat Ende 2019 die Kosten verglichen. Das Ergebnis: Die alte Regel “Mit einem selbst gekauften Handy und einem selbst ausgesuchten Tarif fahren Kunden billiger als mit einem Vertragshandy” gilt oft nicht mehr. Im Paket mit einem Mobilfunk-Vertrag sind viele Smartphones sogar günstiger zu haben als ohne Vertrag im Laden. Wichtige Voraussetzung: Sie kündigen Ihren Vertrag am Ende der Laufzeit rechtzeitig und halten sich für einen Tarifwechsel bereit. Sonst laufen die Kosten munter weiter. Aufgepasst: Bei einigen Verträgen werden die monatlichen Kosten nach dem Ende der Kündigungsfrist sogar teurer. 

„Bundle-Angebote machen auch hochpreisige Smartphones erschwinglich“, sagt auch Markus Gößler, Geschäftsführer Mobilfunk beim Online-Portal Check24. „Verbraucher sollten darauf achten, dass sich nach der Mindestvertragslaufzeit die monatlichen Kosten des Handyvertrags automatisch reduzieren oder in einen neuen Vertrag wechseln.“
 

Datengeschwindigkeit und Datenvolumen wählen

Wer viel surft, sollte auf eine möglichst hohe Datengeschwindigkeit achten (LTE oder 5G) und ein großes Datenvolumen wählen (mindestens 4 bis 5 Gigabyte pro Monat). 
Wer hingegen weniger unterwegs surft und dafür oft das WLAN nutzt, kommt mit rund 2 Gigabyte pro Monat locker aus. Kostenloses WLAN gibt es nicht nur Zuhause, wer sich einmal bei Freunden, an der Uni, auf Arbeit, in Cafénähe, Bibliotheken, oder an Haltestellen eingeloggt hat, dessen Handy wählt sich hier immer wieder automatisch und kostenlos ein. Sollte das Datenvolumen mal nicht ausreichen, kann automatisch oder manuell aufgestockt werden.
Die meisten Provider bieten Flatrates zum Surfen, Telefonieren und SMS versenden an. Das gilt sowohl für Verträge als auch für Prepaid-Angebote.


Verträge ohne Zeitdruck vergleichen

Lesen Sie den Vertrag genau durch, bevor Sie unterschreiben, googeln sie den Anbieter. Hilfreich sind auch Vergleichsportale und besonders die unabhängige Stiftung Warentest. Vergleichen die genau Preis und Leistung. Für Schüler, Studenten und Auszubildende gibt es meist günstige Sondertarife. Sind Sie nicht sicher, ob Sie die Vertragskosten tragen können, wählen Sie im Zweifel lieber ein günstiges Prepaid-Modell und kaufen das Handy extra. Das Aufladen des Guthabens können Sie jederzeit pausieren, auch wenn Sie dann nicht mehr anrufen und surfen können. Dennoch können Sie angerufen werden und weiterhin im W-Lan surfen, zum Beispiel über Ihren Haus-Internetanschluss.


Vorsicht mit Zusatzoptionen

Achten Sie auf alle Nebenkosten. Zum Beispiel eine Anschlussgebühr, Kosten für die Freischaltung oder Extrakosten für mehr Datenvolumen. Vermeiden Sie möglichst Kauf-Apps und teure Abos, damit Sie einen Überblick über Ihre Kosten behalten.  
Im EU-Ausland gibt es keine Roaming-Kosten mehr, auch keine zusätzlichen Kosten für Datenverbindungen. Schließen Sie keinen Vertrag ab, der Kosten für EU-Auslandsgespräche enthält. 
Telefonieren Sie nie im Nicht-EU-Ausland, nutzen nicht Google-Maps und hören Sie da auch nicht ihre Mailbox ab. Das kann schnell hunderte Euros kosten. Surfen Sie im fernen Ausland möglichst immer per WLAN oder über eine lokale Prepaid-SIM-Karte.
 

Wenn Rechnungen nicht bezahlt werden

Prüfen Sie, ob Sie sich den aktuellen Handytarif noch leisten können und wechseln Sie gegebenenfalls zu einem günstigeren Anbieter. Allerdings müssen Sie dabei die Vertragslaufzeit beachten und die Kündigungsfrist einhalten. Eine vorzeitige Entlassung aus einem Handyvertrag ist in der Regel nicht möglich.

Wenn Sie Rechnungen nicht rechtzeitig bezahlen können, setzen Sie sich mit dem Mobilfunkbetreiber in Verbindung. Unter Umständen können Sie die Schulden in Raten abbezahlen oder es kann nach einer anderen Lösung gesucht werden. Der Mobilfunkbetreiber kann Handyrechnungen gerichtlich durchsetzen oder ein Inkassounternehmen beauftragen. Es kann auch ein Schufa-Eintrag vorgenommen werden, dieser verschlechtert ihre Kreditwürdigkeit und verhindert unter Umständen, dass Sie später einen neuen Handyvertrag bekommen.


Handy-Sperrung bei Schulden

Wer einen Vertrag abschließt, verpflichtet sich, die vereinbarten Kosten für einen festen Zeitraum zu zahlen, zum Beispiel für zwölf Monate. Laufen zu hohe Schulden auf, kann der Anbieter den Anschluss sperren.

Zurzeit dürfen Mobilfunkanbieter bei einem fehlendem Zahlbetrag von 75 Euro das Handy sperren. 
Eine neue Fassung des Telekommunikationsgesetzes (TKG) sieht vor, dass eine Sperre wegen Zahlungsverzug in Zukunft erst bei einem offenen Betrag von über 100 Euro eingesetzt werden darf. Nach aktuellen Diskussionen soll die Gesetzesergänzung zum 01.12.2021 greifen. Die Neuregelung soll Verbraucher weiter schützen.