Mehr Rente, weniger Lücke: Wie Frauen für ihr Alter vorsorgen

Auch 2020 lag die Pro-Kopf-Rente von Frauen noch deutlich unter der von Männern. Was können Frauen tun, um ihre Rentenlücke zu schließen und um im Alter finanziell besser dazustehen?
Mehr Rente, weniger Lücke

Frauen erhalten weniger Rente als Männer. Im Westen beträgt der Unterschied derzeit noch satte 37,2 Prozent, im Osten sind es immerhin noch 14,7 Prozent.

Im Jahr 2020 in Euro

Durchschnittliche Rente

Mann

Durchschnittliche Rente

Frau 

Durchschnittliche Rente

Frau + Mann

D-Ost €1.249 €1.065 €1.145
D-West €1.179 €741 €937

Quelle: Deutsche Rentenversicherung S. 34 bis 37

Weniger Geld im Alter: Warum Frauen weniger Rente bekommen als Männer

  1. Frauen verdienen im Vergleich zu Männern in ähnlichen Jobs deutlich weniger und erwerben daher natürlich auch weniger Rentenansprüche.
  2. Wer Teilzeit arbeitet, hat oft weniger Karrierechancen. Auch weniger Karrierechancen bedeuten auf die gesamte Lebensarbeitszeit bezogen: Weniger Gehalt, Rentenbeiträge und weniger Luft für Vermögensaufbau und private Altersvorsorge.
  3. Gerade in West-Deutschland arbeiten nach der Geburt eines oder mehrerer Kinder viele Frauen in Teilzeit. Das bedeutet: Weniger Gehalt, weniger Rentenpunkte, weniger Spielraum für die private Altersvorsorge.
  4. Oftmals wählen Frauen mit dem Teilzeit-Modell aufgrund des Ehegatten-Splittings auch die ungünstigere Steuerklasse. Sie tragen also verhältnismäßig eine hohe Steuerlast im Verhältnis zu ihrem Nettogehalt. Das Mehr an Netto landet oftmals auf dem Konto des Mannes. Findet hier kein fairer Lastenausgleich statt, hat die Ehefrau auch weniger Spielraum für die private Altersvorsorge.

Frauen und Rente: Altersvorsorge muss aus mehreren Bausteinen bestehen

Honorar-Finanzanlagenberater Michael Ritzau betont allerdings, dass der ausschließliche Blick auf die gesetzlichen Rentenansprüche nur ein eingeschränktes Bild liefert. „Es ist zwar so, dass Frauen tatsächlich weniger Rentenansprüche erwerben. Allerdings erwerben verheiratete Frauen, wenn kein Ehevertrag mit Gütertrennung existiert, natürlich auch die Hälfte der Rentenansprüche des Mannes. Das wird allerdings nur dann sichtbar, wenn sich das Paar scheiden lässt“, erklärt Ritzau. In diesem Fall erhält die Ehefrau die Hälfte der Rentenpunkte für die Dauer der Ehe von ihrem Mann gutgeschrieben.

Insgesamt verliert die gesetzliche Rente jedoch an Bedeutung, da ein auskömmliches Leben allein mit der gesetzlichen Rente schon heute schwierig ist und auf lange Sicht kaum möglich sein wird. Ritzau: „Die gesetzliche Rente ist umlagefinanziert, das heißt, die aktuellen Rentenbeiträge fließen stets direkt an die heutigen Rentnerinnen und Rentner zurück. Schon heute reichen die Rentenbeiträge aber bei weitem nicht aus. Die Rente wird zu einem Drittel aus Steuermitteln finanziert, das sind aktuell mehr als 100 Milliarden Euro im Jahr.“ Auf lange Sicht sei die gesetzliche Rente mit der derzeitigen Geburtenrate so nicht finanzierbar. Die bislang eingeführten staatlich geförderten kapitalgedeckten Zusatzbausteine wie betriebliche Altersvorsorge, Riester- und Rürup-Rente sind teuer und kostenintransparent. Ritzau: „Ein Großteil der staatlichen Förderungen und Steuererleichterungen landen bei diesen Produkten in Form von Provisionen im Vertrieb.“ 

Damit Frauen im Alter gut dastehen, sollte sich ihre Altersvorsorge aus mehreren Komponenten zusammensetzen. Ritzau: „Neben den drei Komponenten gesetzliche Rente, betriebliche Altersvorsorge und private Altersvorsorge kann das auch noch ein bezahltes Eigenheim sein, in dem man im Alter mietfrei wohnen kann.“ Der 57-jährige Honorarberater berät häufig Frauen, die aufgrund einer Scheidung größere Ausgleichszahlungen von ihrem Ex-Mann erhalten oder die nach der Scheidung aus dem Verkauf einer gemeinsamen Immobilie stammen. „Das sind häufig Summen im mittleren sechsstelligen Eurobereich, die in die private Altersvorsorge einfließen sollen“, erläutert Ritzau.
 

Finanzen selbst regeln: Private Altersvorsorge mit ETFs und Festgeld 

Damit Frauen im Alter über genügend finanzielle Mittel verfügen, müssen sie laut Ritzau nicht nur weniger Teilzeit arbeiten, sondern auch ihr eigenes Geld „härter“ für sich arbeiten lassen, sprich, mehr Rendite erzielen: „Natürlich kann sich ein Paar dafür entscheiden, dass einer vorübergehend in Teilzeit arbeitet. Dann muss aber auch ein fairer finanzieller Ausgleich stattfinden.“ Alternativ können beide Eltern auf 80 Prozent reduzieren, sodass ein Kind nur zu 60 Prozent betreut wird und beide gleiche Entwicklungschancen haben.

Frauen (und Männern!), die ihre Altersvorsorge selbst in die Hand nehmen wollen, empfiehlt der Honorarberater grundsätzlich, möglichst früh anzufangen und unbedingt auf die Kosten der jeweiligen Geldanlage zu achten. „Gerade die Bedeutung der Kosten wird leider häufig unterschätzt“, bedauert Ritzau und erläutert das Ganze an einem Rechenbeispiel: Bei einer Einlage von 10.000 Euro und einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von 5 Prozent hat eine Anlegerin nach 20 Jahren bei jährlichen Kosten von 0,2 Prozent 25.540 Euro erwirtschaftet. Liegen die Kosten dagegen bei jährlich 1,5 oder 2 Prozent, wie sie typischerweise für aktiv gemanagte Aktienfonds anfallen, bleiben ihr nach 20 Jahren nur 19.898 bzw. 18.061 Euro. Hierbei sind noch keine Ausgabeaufschläge berücksichtigt.

Aus diesem Grund empfiehlt Ritzau als Sicherheitsbausteine Anlagen wie Tages- und Festgeld, die allerdings derzeit nur geringe Zinsen bringen. Als Renditebausteine setzt er auf kostengünstige Anlagevehikel wie Aktien-ETFs. Ohne die Anlageklasse Aktien sei in der derzeitigen Niedrigzins-Ära kaum eine gute Rendite möglich. „Dazu kommt die aktuell hohe Inflation, sodass derzeit ohne Aktien noch nicht einmal ein Kaufkrafterhalt des Vermögens möglich ist“, betont der Geldanlage-Experte. Gemeinsam mit seinen Kundinnen erarbeitet er ein Portfolio, welches der jeweiligen Risikoneigung und Risikofähigkeit entspricht. 

Risikofähigkeit: Wieviel Risiko lässt meine Einkommens- und Vermögenssituation zu?

Risikoneigung: Wieviel Risiko ertrage ich? Bekomme ich schweißnasse Hände, wenn die Kurse während anderthalb Monate um 33 Prozent fallen, so wie Februar/März 2020? Oder bleibe ich cool und kaufe nach?

Interessant: Mehr als die Hälfte seiner Kundschaft sind Frauen. „Warum das so ist, weiß ich auch nicht, jedenfalls vermarkte ich mich nicht als Frauenfinanzberater“, scherzt Ritzau. Möglicherweise sei es so, dass Frauen beim Thema Geldanlage eher externen Rat suchen als Männer. Im Unterschied zu herkömmlichen Finanzberatern wird er direkt von seinen Kundinnen und Kunden nach Stundenaufwand bezahlt, ähnlich wie ein Rechtsanwalt oder Steuerberater.
 

Altersvorsorge: mehr Unabhängigkeit, weniger Schulden: 13 Tipps für Frauen + Männer

  1. Früh mit der Altersvorsorge anfangen.
  2. Unbedingt auf die Kosten der Geldanlage achten. Hohe Kosten sind Gift für die Rendite.
  3. Kombi-Produkte aus Geldanlage und Risiko-Versicherung meiden, wie etwa Rente inklusive Berufsunfähigkeit oder Kapitallebensversicherungen, da diese sich in der Absicherung doppeln
  4. Reine Risikoversicherungen wie eine Risikolebensversicherung und eine Berufsunfähigkeitsversicherung können dagegen sinnvoll sein.
  5. Langfristig in kostengünstige ETFs investieren.
  6. Einfaches Portfolio mit wenigen breit diversifizierten Bausteinen aufbauen und auch in Krisen durchhalten.
  7. Nur Geld in Aktien investieren, welches man über die nächsten Jahre nicht braucht.
  8. Weniger konsumieren, mehr in die Altersvorsorge investieren. Deswegen muss man aber kein Frugalist werden.
  9. Wenig in Teilzeit arbeiten, um in jungen Jahren möglichst viel zu verdienen.
  10. Kinderbetreuung und Hausarbeit mit dem Partner teilen.
  11. Arbeiten Frauen oder Männer wegen Kindern in Teilzeit: Fairer finanzieller Ausgleich durch den Vollzeit arbeitenden Ehemann oder die Vollzeit arbeitende Ehefrau.
  12. Wichtig: Sind Eltern nicht verheiratet, ist ein finanzieller Ausgleich unerlässlich, da im Falle der Trennung die Frau oder der Mann weder Unterhalt noch Rentenpunkte vom Ex-Partner erhält.
  13. Für beide Partner gilt: Sich mit eigenem Girokonto, Tages- oder Festgeld und dem eigenen Broker um die eigenen Finanzen kümmern, auch wenn man verheiratet ist oder eine eingetragene Lebensgemeinschaft hat.