Schuldnerberatung: Wann Sie sich helfen lassen sollten

Warten Sie nicht, bis Sie tief in der Schuldenfalle stecken. Schuldnerberatungen helfen bereits, wenn Ihnen eine Überschuldung droht. Erfahren Sie, wie Sie die richtige Anlaufstelle finden, wann die Beratung kostenlos ist und welche Unterstützung Sie erwarten dürfen.

Je eher Sie Ihren Finanzproblemen ins Auge sehen und sich professionelle Hilfe holen, desto leichter gelingt Ihnen die Kehrtwende. Erste Warnzeichen für eine drohende Überschuldung sind, wenn Sie ständig in den Dispo rutschen, Ihre Rechnungen nicht pünktlich begleichen können und gehäuft Mahnungen oder Inkassoschreiben ins Haus flattern. 

Nehmen Sie solche Signale ernst und kontaktieren Sie frühzeitig eine Schuldnerberatungsstelle, auch wenn die offenen Beträge gering sind. Mahngebühren und Zinsen erhöhen die Schuldenlast weiter und die Wartezeiten bei den Anlaufstellen sind teilweise lang.
Sollte sich Ihre finanzielle Lage weiter verschlechtert haben, ist die Schuldnerberatung natürlich ebenfalls die richtige Kontaktstelle, etwa

  • wenn Ihr Konto gepfändet wird
  • ein Mahnverfahren oder die Zwangsvollstreckung drohen
  • sich die Gerichtsvollzugsperson ankündigt
  • Sie riskieren, Ihre Wohnung oder Ihr Haus zu verlieren, weil Sie die Miete oder das Immobiliendarlehen nicht mehr schultern können
  • ein Energieversorger mitteilt, seine Belieferung einzustellen.

Falls Sie unsicher sind, ob Sie bereits Hilfe benötigen, machen Sie auf der Internetseite der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung das Schulden-Quiz

Jeder Zehnte ist betroffen

Sollten Sie aus Scham zögern, eine Beratungsstelle aufzusuchen, seien Sie sich bewusst: Mit Ihrem Problem sind Sie nicht allein. In Deutschland war 2020 laut Creditreform fast jeder Zehnte über 18 Jahren überschuldet. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes war 2019 in 20 Prozent aller Fälle Arbeitslosigkeit die Hauptursache für eine Überschuldung, in 17 Prozent eine Erkrankung, Sucht oder ein Unfall. In 14 Prozent aller Fälle sorgte eine unwirtschaftliche Haushaltsführung dafür, dass Rechnungen, Raten und Ausgaben für die Lebensführung nicht mehr gedeckt werden konnten.

Die richtige Schuldnerberatung finden

Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist die Hilfe bei staatlichen und gemeinnützigen Stellen in der Regel kostenlos. Die Beratung wird etwa über eigene Mittel und öffentliche Gelder finanziert. Unter den Wohlfahrtsverbänden beraten Caritas, Arbeiterwohlfahrt, Rotes Kreuz, Paritätischer Wohlfahrtsverband und Diakonisches Werk. Außerdem bieten kommunale Stellen wie Sozialämter und Verbraucherzentralen Unterstützung. 
Die Wartezeit auf einen Termin kann einige Wochen oder Monate betragen. In Notsituationen erhalten Sie kurzfristig Hilfe. Einige Stellen haben eine Online-Beratung eingerichtet, an die Sie sich auch anonym wenden können. Beratungsstellen in Ihrer Nähe finden Sie im Schuldnerberatungsatlas des Statistischen Bundesamtes. 
Darüber hinaus bieten gewerbliche Schuldnerberatungen ihre Dienste gegen ein Honorar an. Laut Verbraucherzentrale ist die Beratung oft nicht ausreichend fundiert und individuell. Sie hat eine Checkliste erstellt mit Kriterien, anhand derer Sie seriöse Anbieterinnen und Anbieter erkennen. So sollten die Kosten vorab transparent sein und Rechtsdienstleistungen inbegriffen sein.

So helfen Ihnen die Schuldnerberatungsstellen

Im ersten Gespräch macht sich die oder der Beratende ein Bild Ihrer finanziellen Situation. Bringen Sie dafür alle notwendigen Unterlagen mit. Hilfreich sind eine Auflistung Ihrer monatlichen Einnahmen und Ausgaben sowie eine Übersicht über Forderungen. Sortieren Sie in einem Ordner vorab alle Schreiben, die Ihre Schulden dokumentieren wie Verträge, Rechnungen, Mahnungen, Inkassobriefe, Vollstreckungsbescheide und Gerichtsbeschlüsse. 
Auch wenn Sie nicht perfekt vorbereitet sind oder den Überblick über Ihre finanzielle Lage verloren haben: Nehmen Sie den Termin wahr. Die oder der Beratende wird mit Ihnen die nächsten Schritte besprechen, um Ordnung in Ihre Finanzen zu bringen. Konkret übernehmen Schuldnerberatungen folgende Aufgaben:

  • Die Mitarbeitenden prüfen Forderungen auf ihre Rechtmäßigkeit und verhandeln mit Kreditgebenden.
  • Sie beraten über das Insolvenzverfahren, helfen beim Antrag und begleiten Ratsuchende während des Verfahrens.
  • Sie informieren über die Möglichkeit, ein Pfändungsschutzkonto zu eröffnen.
  • Sie helfen Ihnen, einen Haushaltsplan zu erstellen. Sie zeigen auf, wie Sie Ihre Einnahmen steigern und Ihre Ausgaben reduzieren können. Dabei informieren sie auch über die Beantragung von Sozialleistungen.
  • Sie nehmen den Menschen ganzheitlich in den Blick, denn manchmal sind mit Schulden weitere Probleme verbunden, etwa Depressionen oder Suchtkrankheiten. Sie bieten eine psychosoziale Beratung an oder vermitteln Ihnen Fachdienste.

Schuldnerberatungen helfen Ihnen, Ihre finanzielle Situation langfristig zu verbessern. Die Mitarbeitenden geben Ihnen eine Perspektive, Ihre Finanzen und damit verbunden Ihr Leben wieder aktiv in allen Bereichen selbst zu gestalten.