So vermeiden Alleinerziehende Schulden

Arbeiten gehen, die Kinder betreuen – auch wenn sie krank sind, mit ihnen Hausaufgaben machen und nebenbei noch waschen, kochen, putzen: Das Arbeitspensum Alleinerziehender kann mit dem von durchgetakteten CEOs locker mithalten.
So vermeiden Alleinerziehende Schulden

Im Vergleich zu Managern fällt die Bezahlung für die Familienarbeit allerdings mau aus. Das ist zwar bei Paaren genauso, allerdings können sie sich Kinderbetreuung und Hausarbeit teilen. Alleinerziehende müssen das alles alleine schaffen – und trotzdem für ihren Lebensunterhalt sorgen. Dazu kommt: Alleinerziehende müssen die Kosten für Miete, Strom, Versicherungen etc. alleine stemmen. Gerade bei kleineren Kindern kommen je nach Bundesland noch erhebliche Kosten für die Kindebetreuung in einer Kindestagesstätte oder einer Tagesmutter dazu. Und in der Hälfte aller Fälle fällt zudem der Unterhalt des Ex-Partners für das Kind aus.

Alleinerziehende müssen also abwägen: Wie viel bezahlte Erwerbsarbeit ist überhaupt sinnvoll? Wie viel muss sie, manchmal auch er, verdienen, um finanziell über die Runden zu kommen und nicht in der Schuldenfalle zu landen?

Schulden vermeiden: Alleinerziehende sind armutsgefährdet

Wenig überraschend: Alleinerziehende Familien mit zwei oder mehr Kindern gelten als besonders armutsgefährdet. Das betrifft in Deutschland rund 605.000 Kinder

Bianka Thielcke aus Berlin kennt die finanziellen Nöte Alleinerziehender - aus eigener Erfahrung und aus ihrer Beratungstätigkeit. Die Kulturmanagerin verlor während der Corona-Pandemie ihren Job als Projektleiterin in der Eventbranche. Zuvor hatten sich die 37-jährige und ihr Partner einvernehmlich getrennt, da war ihr Sohn dreieinhalb Jahre alt. „Ich musste mein Leben plötzlich mit deutlich weniger Geld organisieren und finanzieren“, erzählt Thielcke. Zwar hätte sie sich gerne auf eine neue Stelle im Kulturbereich beworben, doch das ging nicht aufgrund der Arbeitszeiten. Thielcke: „Es gibt einfach Jobs, die für Eltern von kleinen Kindern kaum in Frage kommen. Einfach, weil sie außerhalb der Betreuungszeiten liegen. Alleine kann ich das nicht mehr stemmen.“ 

19 Prozent aller in Deutschland lebenden Familien bestehen inzwischen aus einem allleinerziehenden Elternteil mit einem oder mehreren Kindern. Das entspricht 2,1 Millionen Kindern, die gemäß Familienreport 2020 in 90 Prozent der Fälle bei der Mutter leben.

Ihr kamen allerdings zwei Dinge zu Gute. Thielcke hatte sich bereits zuvor ausführlich mit ihren eigenen Finanzen auseinandergesetzt und ihre 12000 Euro Schulden aus Studienkrediten, Bafög und Kreditkartenkäufen schon vor der Pandemie abbezahlt. Thielcke: „Vor fünf Jahren hatte ich eine völlig andere Einstellung zu Geld: Ich dachte immer, es sei eine Art Naturgesetz, dass ich wenig Geld oder gar Schulden habe.“ Sie fing an akribisch ihre Einnahmen und Ausgaben in einem Haushaltsbuch zu notieren und schaffte so den Weg vom Minus ins Plus, inklusive Notgroschen. Aus ihren eigenen Erfahrungen entwickelte sie zunächst ein Präsenz-Seminar – inzwischen hat sie daraus einen Online-Kurs entwickelt – und coacht Frauen in Sachen Finanzen.

Der zweite Punkt ist aber mindestens ebenso entscheidend: Thielcke teilt sich die Betreuung ihres Sohnes mit dem Vater und zwar genau 50:50. Damit bleibt ihr genug Zeit für ihr eigenes berufliches Fortkommen. Zusammen mit ihrem Ex-Partner hat sie sich für das sogenannte Wechselmodell entschieden: In einer Woche ist der mittlerweile Fünfjährige vier Tage bei Mutter und drei Tage beim Vater, in der darauffolgenden Woche ist er vier Tage beim Vater und drei bei ihr. Daher beschreibt sich Thielcke mit dem schönen Begriff „Teilzeit-Alleinerziehend“. Ihr Glück: In Berlin kostet die Kinderbetreuung in der Kita nichts.

10 Tipps für Alleinerziehende um Schulden zu vermeiden

Tipp 1: Je mehr ein Paar in guten Zeiten regelt, desto einfacher läuft später die Trennung ab. Daher sollte ein Paar die Familienarbeit samt Kinderbetreuung von vorneherein möglichst gleich aufteilen. Das beginnt bereits mit der Elternzeit und geht nahtlos über in die Kleinkindphase, in der Kinderbetreuung besonders aufwändig und teuer ist. Beide sollten erwerbstätig bleiben und auch in der Elternzeit ihr berufliches Netzwerk pflegen. 

Tipp 2: Im Falle einer Heirat kann sich ein Ehevertrag lohnen, der Finanzen und Unterhalt regelt. Das gilt besonders für den Fall, wenn ein Paar eine klassisch-konservative Rollenverteilung anstrebt. Ein gemeinsames Konto für gemeinsame Ausgaben ist ok. Beide sollten aber auch ihre eigenen Konten samt eigenem Notgroschen in Höhe von drei Monats-Netto-Gehältern anstreben und regelmäßig in ihre eigene Altersvorsorge z.B. per ETF-Sparpläne einzahlen.

Tipp 3: Wenn ein gemeinsames Kind da ist und das Paar sich trennt, haben beide Eltern gleiche Rechte, aber auch gleiche Pflichten. Daher: Die Familienarbeit samt Betreuung möglichst gleich aufteilen, damit beide gleich viel Zeit für ihr berufliches Fortkommen haben.

Tipp 4: Die Kosten für Kinderbetreuung als langfristige Investition betrachten. Es kann zwar sein, dass über eine gewisse Zeit das Nettoeinkommen von den Kinderbetreuungskosten aufgefressen oder stark belastet wird. Allerdings sollten Mütter und Väter auch bedenken, dass ein jahrelanger Ausstieg aus dem Job den Wiedereinstieg in die Erwerbsarbeit nicht gerade leicht macht. 

Tipp 5: Bei asymmetrischen Finanz- und Betreuungskonstellationen sollte sich der finanziell schlechter gestellte Elternteil nicht vom besser gestellten abspeisen lassen. Thielcke: „Häufig höre ich „Wir verstehen uns gerade so gut, das will ich nicht gefährden.“ Sie rät dazu, trotzdem immer wieder das Gespräch mit dem Ex-Partner oder der Ex-Partnerin zu suchen. Etwa, wenn es um mehr Unterhalt geht oder auch um eine gerechtere Verteilung der Betreuungszeiten. Dabei unterstützen auch Familienzentren mit meist kostenlosen Beratungen.

Tipp 6: Unbedingt einen Überblick über die eigenen Einnahmen und Ausgaben verschaffen. Ob per Hand, per Excel-Tabelle oder per App ist egal. Großes Sparpotenzial bieten häufig regelmäßige Ausgaben und Abonnements wie das nur selten genutzte Fitness-Studio, Stromanbieter, Mobilfunk-Verträge oder Festnetz samt Internet. Auch bei Versicherungen lässt sich oft sparen, Voll- oder Teilkasko bei einem 10 Jahren alten Auto sind meist nicht mehr sinnvoll.

Tipp 7: Falls Schulden bereits vorhanden sind, diese als erste Maßnahme unbedingt abbauen. Am besten fängt man bei den Schulden an, die am meisten Zinsen kosten. In der Regel ist das der Dispo-Kredit auf dem Girokonto.

Tipp 8: Thielcke rät Alleinerziehenden zum „Netzwerken“, um sich gegenseitig zu unterstützen. Motto: Nehme ich heute dein Kind, nimmst du morgen meins. Der Vorteil: Es fallen keine Kosten für den Babysitter an, aber es verschafft Alleinerziehenden trotzdem Freiraum für Beruf, Hausarbeit und Erholung.

Tipp 9: Kinderkleider und Spielzeug gebraucht kaufen und verkaufen spart viel Geld. Und vieles, wie etwa Bücher oder Spiele, können Familien kostenlos in der Bibliothek ausleihen. Ein wichtiger Tipp, der Thielcke am Herzen liegt: Bloß nichts „auf Pump“ kaufen. Und: Ratenzahlungen für Konsumprodukte unbedingt vermeiden. 

Tipp 10: Für Familienferien gibt es preiswerte Angebote von gemeinnützigen Organisationen. Eine sehr günstige Option ist zudem der Wohnungstausch mit Familien in einer anderen Stadt. Der lässt sich privat mit befreundeten Familien organisieren oder per kommerzieller Tauschplattform, die allerdings wiederum Geld kostet.

Fazit: Alleinerziehende müssen mehr haushalten und sind stärker von Schulden bedroht als Paar-Familien. Unausweichlich sind Schulden jedoch nicht. Entscheidend ist, dass sie immer den Überblick über die eigenen Finanzen behalten.