Steuererklärung: Mit wenig Aufwand viel Geld zurück

Die Steuererklärung auszufüllen, empfinden viele als lästig. Dabei erstattet das Finanzamt in den meisten Fällen Geld zurück. Der Aufwand kann sich also lohnen. Mit diesen Tipps reichen Sie Ihre Steuererklärung unkompliziert ein.

Die Einkommenssteuererklärung abzugeben, lohnt sich in der Regel. Denn bei der Mehrheit der privaten Steuererklärungen erstattet das Finanzamt Geld. So erhielten beispielsweise im Jahr 2016 laut Statistischem Bundesamt 12 von 13,7 Millionen Arbeitnehmern zu viel gezahlte Einkommenssteuer zurück. Im Durchschnitt lag der Betrag bei 1.027 Euro. Das ist also schnell verdientes Geld.

In Deutschland muss nicht jeder Bürger eine Steuererklärung einreichen. Pflicht ist sie etwa für berufstätige Ehepaare, bei denen einer Steuerklasse V gewählt hat. Auch von Personen, die im betreffenden Jahr Lohnersatzleistungen wie Arbeitslosengeld I oder Kurzarbeitergeld erhielten, erwartet das Finanzamt eine Steuererklärung.

Abgabe-Frist nicht verpassen

Stichtag ist der 31. Juli des Folgejahres. Werden die Dokumente nicht pünktlich eingereicht, drohen Gebühren von mindestens 25 Euro pro Monat. Wer aus unverschuldeten Gründen mehr Zeit benötigt, beantragt am besten eine Fristverlängerung.

Wann lohnt sich die freiwillige Abgabe?

Sind Sie nicht zur Abgabe verpflichtet, kann es sich je nach individueller Situation lohnen, die Steuererklärung dennoch einzureichen, um Geld zurückzuerhalten. Dies kann etwa der Fall sein, wenn Sie

  • innerhalb des betreffenden Jahres geheiratet haben,
  • Sonderausgaben für die Altersvorsorge oder die Kinderbetreuung geltend machen können,
  • Ihre Werbungskosten oberhalb des Pauschalbetrags von 1000 Euro liegen. Bereits eine Fahrt von täglich 15 Kilometern zur Arbeit genügt, um dieses Limit zu übersteigen.

Prüfen Sie daher, etwa mithilfe von Steuersoftware, ob Ihnen das Finanzamt potenziell Geld zurücküberweist. Und zwar auch für die vergangenen Jahre. Wer seine Steuererklärung freiwillig abgibt, hat vier Jahre lang dafür Zeit. So ist für das Steuerjahr 2020 der 31. Dezember 2024 der letzte Abgabetag.

Steuererklärung vom letzten Jahr verwenden

Ob Sie die Steuererklärung freiwillig abgeben oder dazu verpflichtet sind: Den Papierkram können Sie sich auch sparen. Denn dank digitaler Helfer ist das Ausfüllen viel unkomplizierter geworden. Die Finanzverwaltung selbst bietet mit „Elster“ eine kostenlose Anwendung über den Internetbrowser an. Der Vorteil: Einmal ausgefüllt können Sie im nächsten Jahr die Zahlen mit einem Klick übernehmen und wo nötig anpassen. Zudem lassen sich elektronisch hinterlegte Daten, etwa aus der Lohnsteuerbescheinigung, abrufen. Haben Sie alle Angaben eingetragen, berechnet „Elster“ unverbindlich, welche Rückerstattung oder Nachzahlung Sie aller Voraussicht nach erwartet. Endgültig entscheidet das Finanzamt darüber. Neben „Elster“ gibt es eine Vielzahl von kostenpflichtigen Anwendungen, die Ihnen zusätzlich Steuerspartipps geben.

Pauschbeträge nutzen

Sind Sie Arbeitnehmer, müssen Sie in der Anlage N die Daten zu Ihrem Lohn meist nicht eintragen, da sie dem Finanzamt in der Regel schon elektronisch übermittelt wurden. Diese Felder sind entsprechend gekennzeichnet.

Was das Ausfüllen der Steuererklärung zudem vereinfacht: An einigen Stellen können Sie Pauschalen eintragen, statt Ausgaben einzeln aufzuführen. Erst wenn Ihre Ausgaben höher liegen als der Grenzbetrag, müssen Sie diese auflisten und die entsprechenden Belege sammeln.

Pauschalbeträge können geltend gemacht werden für

  • Werbungskosten, das heißt Ausgaben in beruflichem Zusammenhang. Dazu gehören unter anderem die Fahrten zur Arbeit, Kosten für das Home-Office, Bewerbungen und Fortbildungen, die Ausgaben bei Dienstreisen und für den Umzug aus beruflichen Gründen.
  • Für die Verpflegung während einer Dienstreise und einen Umzug aus beruflichen Gründen können wiederum Pauschalen innerhalb der Werbungskosten eingesetzt werden.
  • Sonderausgaben, die nicht die Vorsorgeaufwendungen betreffen, zum Beispiel Kirchensteuer, Unterhaltszahlungen, Schulgeld und Spenden. Die Pauschale ist mit 36 Euro für Singles und 72 Euro für Verheiratete allerdings gering. Meist lohnt es sich daher, die Ausgaben einzeln aufzulisten.
  • Anspruch auf eine Pauschale haben zudem Menschen mit Behinderung, Alleinerziehende und Personen, die einen Angehörigen unentgeltlich pflegen.

Eine große Erleichterung: Belege zur Einkommenssteuererklärung, wie Rechnungen, müssen Sie seit 2017 nicht mehr einreichen, sondern nur noch aufheben und einsenden, wenn das Finanzamt Sie dazu auffordert. Am besten sammeln Sie alle Rechnungen nach Jahr getrennt in einzelnen Klarsichthüllen. Sollte das Finanzamt doch Einsicht verlangen, haben Sie sie sofort zur Hand und können sie direkt abgeben.

Steuern und Schulden

Sollten Sie private Konsumschulden haben, spielen diese in der Steuererklärung keine Rolle. Sie können Sie nirgendwo geltend machen. Allerdings können Unternehmer und Vermieter Kredite berücksichtigen, wenn sie dem Ziel dienen, Einkünfte zu generieren.
Und was tun, wenn Sie Steuern nachzahlen müssen? Überprüfen Sie zunächst den Bescheid. Falls Ihnen etwas nicht korrekt erscheint, können Sie innerhalb eines Monats Einspruch einlegen und beantragen, dass die Vollziehung des Steuerbescheids erst einmal ausgesetzt wird. Können Sie die Nachzahlung wegen einer finanziellen Schieflage nicht leisten, sollten Sie beim Finanzamt rechtzeitig eine Stundung oder Ratenzahlung anfragen. Die Finanzämter stellen dazu Formulare bereit.