Studieren mit wenig Geld: Tipps und Tricks

Bei Studierenden ist das Geld knapp, noch mehr in Corona-Zeiten. Nicht viele haben das Glück, dass ihre Eltern sie unterstützen können. Damit sich jeder ein Studium leisten kann, hilft der Staat mit BAföG. Dazu gibt es Studentenkredite. Wer Bescheid weiß, spart Geld.

Das Abi in der Tasche. Viele ziehen nun bei Mama und Papa aus, um in einer anderen Stadt ein Studium zu beginnen. Zum ersten Mal im Leben müssen sie sich selbst mit allen Einnahmen und Ausgaben beschäftigen. Das ist gar nicht so einfach.

Das Deutsche Studentenwerk ermittelt regelmäßig, wie viel Geld man braucht, wenn man studiert. Es befragte dazu über 60.000 Studierenden an 248 Hochschulen. Demnach haben Studenten 918 Euro monatlich zur Verfügung - im Durchschnitt. Diese Sozialerhebung ist die Neueste, die es gibt, sie ist jedoch schon von 2016. Seitdem haben sich die Kosten, insbesondere für Mieten, stark erhöht. Die Miete ist auch für Studierende der größte Ausgabenposten. Den Studienort sollte man deswegen auch danach auswählen, wie hoch die Mieten in der möglichen Universitätsstadt sind. Es gibt nämlich große Unterschiede: Laut Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft von 2020 sind die Mieten für typisch studentische Wohnungen an 27 von 30 untersuchten Standorten im zweiten Quartal 2020 trotz Corona gestiegen.
Besonders teuer ist es für Studenten in München. Dort kostet eine Studentenwohnung 724 Euro warm und damit 24 Euro mehr als im ersten Quartal 2020. In Hamburg zahlt man 478 Euro, in Köln 492 Euro. Besonders günstig wohnt es sich in ostdeutschen Unistädten: In Leipzig sind es 275 Euro, in Magdeburg muss man nur 245 Euro Miete zahlen. Studentenwohnheime sind sehr gefragt, weil sie in der Regel so günstig sind. Das Studentenwerk führt Wartelisten. Manchmal können Studierende auch Wohngeld vom Staat zur Unterstützung erhalten. Allerdings oft nur dann, wenn sie keinen Anspruch auf BAföG haben, weil sie nach dem vierten Semester die Fachrichtung gewechselt haben, älter als 30 Jahre sind, die Förderungshöchstdauer überschritten haben oder ähnliches.
 

Checkliste: Zuhause ausziehen

1. Mietvertrag unterschreiben.

2. Telefon- und Internetanschluss anmelden.

3. Strom und Gas anmelden.

4. Nachsendeantrag stellen.

5. Rundfunkbeitrag anmelden

6. Beim Einwohnermeldeamt ummelden.


 

Wie viel Euro brauche ich? 

Fürs Essen geben Studierende laut Studentenwerk im Schnitt 168 Euro aus. Das ist neben der Miete die zweite große Summe. Alle Studentenwerke betreiben Mensen, wo man gut und günstig essen kann. Um mobil zu sein, muss man mit 94 Euro rechnen. In vielen Städten gibt es Vereinbarungen mit Verkehrsverbünden, sodass die Monatskarte im Semesterbeitrag schon enthalten ist.


Wie finanziere ich mein Studium?

86 Prozent aller Studierenden werden von ihren Eltern unterstützt, im Schnitt mit 541 Euro. Solange Kinder studieren, haben sie für die Dauer der Regelstudienzeit einen rechtlichen Anspruch auf Unterhalt. Wer unter 25 Jahre ist, bekommt auch im Studium Kindergeld.

Wenn das Geld nicht reicht, kann man Bundesausbildungsförderung (BAföG) beantragen. Aktuell bekommen 18 Prozent der Studierenden durchschnittlich 435 Euro im Monat. 79 Prozent von ihnen sagen, dass sie ohne BAföG nicht studieren können. 
Studierenden-BAföG wird in der Regel je zur Hälfte als zinsloses Darlehen und als Zuschuss gewährt, dieser Anteil ist sozusagen geschenkt. Maximal 10.010 Euro muss man zurückzahlen. Studenten können für einen laufenden Zeitraum eine Aktualisierung beantragen, falls die Eltern nun wegen Corona weniger verdienen.

Der Antrag fürs BAföG ist nicht so einfach, lohnt sich aber. Der Antrag kann in vielen Bundesländern digital gestellt werden. Der Höchstsatz liegt seit Wintersemester 2020/21 bei 861 Euro im Monat. Er gilt, wenn man nicht mehr bei den Eltern wohnt und keine Familienversicherung mehr möglich ist. Wer noch bei den Eltern ist, erhält 592 Euro. Die Altersgrenze liegt bei 30 Jahren, im Master bei 35. Wer BAföG erhält, kann sich auch von den Rundfunkgebühren befreien lassen. 


Neben dem Studium jobben

Neben dem Studium arbeiten 61 Prozent aller Studierenden. Sie verdienen sich im Schnitt 384 Euro dazu. Für Studierende gibt es viele Möglichkeiten Arbeit zu finden, zum Beispiel auf Jobportalen. Daneben vermitteln das Studentenwerk und die Agentur für Arbeit. Mit einem Minijob dürfen Studenten 450 Euro im Monat verdienen, ohne Sozialversicherungsabgaben wie Kranken-, Pflege, Renten-, und Arbeitslosenversicherung zahlen zu müssen.

Wer regelmäßig mehr verdient, kann sich als Werkstudent anstellen lassen. In der Vorlesungszeit dürfen Studierende dann 20 Stunden pro Woche arbeiten, aber mehr als 450 Euro im Monat verdienen. BAföG-Empfänger hingegen dürfen nur 450 Euro im Monat anrechnungsfrei verdienen. Liegen die Einkünfte im Schnitt darüber, wird die Förderung gekürzt. Über das Arbeiten während der Ferien weiß das Studentenwerk Bescheid. 

Während der Corona-Pandemie gibt es Sonderregeln: Wenn eine Hochschule wegen Corona geschlossen wird, gilt dieser Zeitraum als vorlesungsfreie Zeit. Das bedeutet, dass für Werkstudenten die gleichen Beschäftigungs-Regelungen gelten wie während der Semesterferien. Arbeitet ein Werkstudent mehr als 26 Wochen über 20 Wochenstunden, ist er sozialversicherungspflichtig. Nehmen Unis den Lehrbetrieb ohne Präsenzveranstaltungen nur mit einem begrenzten Onlineangebot auf, gilt das Werkstudentenprivileg weiterhin.
 

Studentenkredite und Coronahilfen

Die staatliche Bank KfW bietet ein flexibles Kreditangebot. Man bekommt insgesamt höchstens 54.600 Euro verteilt über 14 Semester, 650 Euro im Monat. Auf Grund der Corona-Pandemie erhalten Studierende den KfW-Studienkredit bis Ende 2021 zinslos. Das gilt auch für die neue KfW-Corona-Unterstützung in Höhe von bis zu 650 Euro im Monat. Das Darlehen – auch für ausländische Studierende - kann online beantragt werden. 

Zudem hat das Deutsche Studentenwerk 100 Millionen Euro für Nothilfefonds der Studierendenwerke vor Ort erhalten. Die Überbrückungshilfe des Bundesbildungsministeriums wird an Studierende in Corona-Notlage zwischen 100 Euro und 500 Euro im Monat als nicht rückzahlbarer Zuschuss gezahlt. Alter und Semesteranzahl sind egal, auch ausländische Studenten erhalten ihn.

Studentenkredite kann man zusätzlich zum BAföG beantragen - oder auch anstatt. Auch lokale Sparkassen und Bildungsfonds bieten Kredite für Studierende an. Für höhere Semester lohnt sich das Bildungskreditprogramm der Bundesregierung. Monatlich können 100, 200 oder 300 Euro für bis zu 24 Monate gewählt werden. Einen Ratgeber zu Studentenkrediten bietet das Centrum für Hochschulentwicklung an.
 

Stipendium beantragen

Ein Antrag für ein Stipendium kann sich lohnen. Neben Begabung wie bei der Studienstiftung des deutschen Volkes zählen auch Engagement, Ehrenamt und politische Orientierung. Beim Deutschlandstipendium gibt es monatlich 300 Euro. Auch Kirchen, Gewerkschaften, Unternehmen und Parteienstiftungen vergeben Mittel.
Dazu kommen studienfachbezogene und ortsbezogene Stipendien. Einen guten Überblick über die vielfältigen Möglichkeiten gibt es hier: www.stipendienlotse.de.
 

Generell gilt: Aufs Geld achten

Natürlich gilt auch für Studierende, was wir schon im Artikel „So sparen Sie geschickt: unsere besten Tipps für Ihre Finanzen“ aufgeschrieben haben. Am besten legt man ein Haushaltsbuch an und notiert alle Ausgaben. Statt ins Fitness-Studio zu gehen, können Studierende beispielsweise auch beim Uni-Sport mitmachen.
Für Studierende gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten, finanzielle Unterstützung zu bekommen, auch dann, wenn die eigenen Eltern nicht so viel Geld haben. Man muss sie nur kennen und sich darum kümmern.