Versicherungen: Gut beschützt – aber nicht zu teuer

Die Deutschen schließen gerne Versicherungen ab. Im internationalen Vergleich gelten sie deswegen aber auch als überversichert, denn nicht alle Versicherungsverträge sind gleich sinnvoll. Wir sagen ihnen, was es zu beachten gilt, damit Sie gut abgesichert sind – und gleichzeitig Geld sparen können.

Versichern kann man sich gegen alles Mögliche. Doch nur wenige Versicherungen sind für jeden notwendig, einige kann man abschließen, andere passen nicht zur eigenen Situation. 
Das Statistische Bundesamt hat ermittelt, dass Privathaushalte im Jahr 2019 durchschnittlich rund 1.500 Euro für ihre Verträge ausgegeben haben. Das sind 3,4 Prozent der ausgabefähigen Einkommen und Einnahmen privater Haushalte! Ein guter Anlass, um jetzt noch einmal bei den eigenen Versicherungen genauer hinzuschauen, damit Sie am Ende nicht zu den Verbrauchern gehören, die eigentlich unterversichert sind  obwohl sie sehr viel Geld für Versicherungen ausgeben.


Privathaftpflicht ist wichtig

Abgesehen von der Krankenversicherung, die jeder Deutsche besitzen sollte, halten Verbraucherschützer in erster Linie eine Privathaftpflichtversicherung für nötig. Vor allem sollte man nämlich die Schäden absichern, die zu hoch sind, um sie selbst bezahlen zu können. Alle Risiken, welche die Existenz bedrohen, müssen also zuerst abgesichert werden.
Ist man etwa dafür verantwortlich, dass jemand anderes sein Leben lang im Rollstuhl sitzt, kommen leicht sehr hohe Summen zusammen. Gut, wenn Sie dann versichert sind. Ein Vorteil der Haftpflichtversicherung ist auch, dass sie zugleich immer auch als „passive Rechtsschutzversicherung“ dient. Wenn jemand behauptet, Sie hätten einen Schaden verursacht, müssen Sie sich nicht lange streiten. Verweisen Sie die Person an Ihre Versicherung. Die Versicherung prüft aus eigenem Interesse stets, ob eine Forderung auch tatsächlich berechtigt ist und versucht, Zahlungen eher abzuwehren.
Auch die eigenen Kinder sind bei der Privathaftpflichtversicherung über den Familientarif der Eltern mitversichert - bis zum Ende von Ausbildung oder Studium, maximal bis zum 25. Lebensjahr. In Familien braucht nur einer der Eltern einen Familienvertrag.


Eigene Arbeitskraft absichern

Eine andere, aber ebenfalls sehr wichtige Versicherung haben jedoch nur die Wenigsten. Die Berufsunfähigkeitsversicherung schützt, wenn jemand nicht mehr arbeiten kann. Vor allem Berufsstarter brauchen sie. Je früher man eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließt, desto besser. Ein Abschluss in jungen Jahren, etwa noch als Schüler, erhöht die Chance auf eine leistungs-starke und günstige Police, rät Stiftung Warentest. Beim Abschluss ist die wahrheitsgemäße Beantwortung zahlreicher Gesundheitsfragen notwendig. Und je jünger man ist, desto gesünder ist man in der Regel auch. Danach bemessen sich die Beiträge - auch in der Zukunft. Hier empfiehlt sich ein Gang zum Versicherungsberater, um alle Hürden des Antrags zu meistern. 
Jährlich werden etwa 200.000 bis 300.000 Menschen in Deutschland berufsunfähig. Nach der Statistik der Deutschen Rentenversicherung tragen Menschen zwischen 51 und 60 Jahren das höchste Risiko: Die Wahrscheinlichkeit liegt hier bei 53 Prozent. Die Höhe der Berufsunfähigkeitsrente hängt von den vereinbarten Leistungen ab und sollte idealerweise 70 bis 80 Prozent des Nettoeinkommens abdecken. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung kann man ohne Probleme auch noch mit 50 abschließen. Allerdings gelten in diesem Alter dieselben Kriterien wie bei jüngeren Antragstellern: Man sollte möglichst gesund sein und keinen Risikoberuf ausüben. 


Versicherungsangebote vergleichen

Generell gilt: Bevor Sie sich für eine Versicherung entscheiden, sollten Sie stets mehrere Vergleichsangebote einholen. Waren früher hauptsächlich Versicherungsvertreter die wichtigsten Ansprechpartner, ist es inzwischen für jedermann sehr leicht, im Internet zu vergleichen. Viele der preiswerten Online-Versicherungen sind dann jedoch auch im Schadenfall nur per E-Mail oder Telefon erreichbar.
Über ein ganzes Leben gesehen, sollte man immer wieder prüfen, ob die abgeschlossenen Versicherungen noch passen. Verschiedene Lebenssituationen verlangen nach verschiedenen Versicherungen. Ist man noch Single oder hat man schon Familie? Wohnt man zusammen oder allein? Geburt, Hochzeit, Hausbau verändern auch die Risiken. Wer Versicherungen besitzt, sollte auch regelmäßig prüfen, ob die Leistungen der abgeschlossenen Versicherung noch zeitgemäß sind.


Zu besseren Konditionen wechseln

Neuere Angebote haben oft auch bessere Konditionen. Bei Versicherungsvergleichern im Internet, etwa bei www.tarifcheck.de, www.check.24.de, www.financescout24.de oder www.verivox.de/versicherungen kann man preiswerte Versicherungen finden. Die Konditionen sind in den Versicherungsbedingungen (AVB) als Rahmenbedingungen der Verträge meist vorgegeben. Wenn Sie Versicherungen jährlich statt monatlich oder im Quartal bezahlen, sparen Sie Mehrkosten. 
Finanztip hat im Jahr 2020 errechnet, dass die Aufschläge bei monatlicher Zahlweise im Durchschnitt bei rund 9,5 Prozent liegen. Bei Zahlung pro Quartal waren es im Schnitt 8,7 Prozent, bei halbjährlicher Zahlung rund vier Prozent mehr.


Kfz-Versicherung jährlich prüfen

Wer ein Auto hat, kann beim Wechsel von einer teuren zu einer günstigeren Versicherung viel Geld sparen. Wenn Ihre Kfz-Versicherung zum Ende des Jahres abläuft, können Sie spätestens zum 30. November kündigen. Kurz vorher gibt es hier die besten Schnäppchen. Vergleichen Sie! Kündigen können Sie auch bei Beitragserhöhung, Fahrzeug- oder Halterwechsel.
Zwingend vorgeschrieben ist nur die Haftpflichtversicherung. Wer ohne Kfz-Haftpflicht Auto fährt, macht sich strafbar. Haftplicht möglichst mit unbegrenzter Deckung, denn im Straßenverkehr können Schäden schnell hunderttausende Euro erreichen. Dazu kommen eventuell eine Teilkasko auf freiwilliger Basis, und, wenn das Auto neuer ist oder besonders teuer war, die Vollkaskoversicherung. Kasko-Versicherungen dienen zur Regulierung von Schäden am eigenen Wagen.


Versicherungen für Hausbesitzer und Mieter

Hausbesitzer sollten ihre Immobilie gegen Naturgefahren absichern. Eine Wohngebäudeversicherung deckt Schäden durch Sturm, Hagel, Feuer und Blitzschlag ab. Wenn Sie finanziell von Ihnen abhängige Angehörige haben, die Sie bei Ihrem Tod absichern wollen, können Sie eine Risikolebensversicherung abschließen. Hundebesitzer benötigen eine Tierhalterhaftpflicht-Versicherung. Wenn Sie öfter ins Ausland fahren, ist eine Auslandskrankenversicherung sinnvoll.
Als eine Kann-Versicherung gilt die Hausratversicherung. Sie zahlt etwa, wenn jemand in Ihre Wohnung einbricht oder diese abbrennt. Wenn der Kunde die Versicherungssumme gemäß der Wohnungsgröße abschließt, gilt der Unterversicherungsverzicht. Die versicherte Summe gilt dann auf jeden Fall in voller Höhe als vereinbart. Wer in seiner Wohnung eine höherwertige Ausstattung hat, kann natürlich auch eine größere Summe versichern. 

Als weitere Kann-Versicherungen gelten unter anderem Rechtschutzversicherungen, Zahnzusatzversicherungen und die private Unfallversicherung.


Zweckmäßig versichert?

Laut Finanztip gibt es aber auch Versicherungen, die Experten in vielen Fällen für entbehrlich halten. Dazu gehören Handy-, Brillen-, Reisegepäck- und Tierkrankenversicherungen sowie die Insassen-Unfallversicherung. Auch vor Restschuldversicherungen beim Abschluss eines Kreditvertrag wird gewarnt, weil sie Kredite unnötig verteuern. Von Glas-, Sterbegeld- und private Arbeitslosenversicherungen raten Verbraucherschützer ebenfalls ab. Extra-Geräteversicherungen lohnen sich nur bei sehr teuren Anschaffungen.


Einfach kündigen

Wollen Sie eine Versicherung kündigen, können Sie ein formloses Schreiben aufsetzen, in dem Sie die Versicherungsschein- und Kundennummer aufführen und schreiben: „Hiermit kündige ich zum nächstmöglichen Zeitpunkt.“ Im Internet gibt es auch Angebote, die hierfür Musterformulare und Kündigungswecker bereitstellen.
Im Netz finden Sie ebenfalls aktuelle, spezielle Empfehlungen zu allen Versicherungsarten, etwa unter www.test.de/versicherungen. Sie können für mehr Informationen auch Finanz-Zeitschriften studieren oder Ratgebersendungen verfolgen.