Weihnachten – dieses Jahr mal ohne Kaufrausch!

Anders als manche denken, braucht es nicht viele und teure Geschenke, damit Weihnachten zu einem schönen Fest wird. Denn die lieben Verwandten freuen sich auch über Selbstgemachtes oder sogar Gebrauchtes. Dabei gilt: Hauptsache gut ausgedacht und schick verpackt.
Weihnachten

Erik Müller kauft immer den neusten Schnickschnack zu Weihnachten, die neueste Spielkonsole für den Sohn, eine teure Handtasche für seine Frau. Das ist nicht billig, doch für Weihnachten soll es ja etwas Besonderes sein. „Die anderen sollen merken, wie viel sie mir wert sind, deshalb will ich daran nicht sparen“, findet der Familienvater.

Die Ausgaben für Weihnachtsgeschenke steigen von Jahr zu Jahr. Nur 2017 gab es einen kleinen Einbruch. Gaben die Deutschen im Jahr 2011 pro Kopf noch knapp 339 Euro für ihre Weihnachtsgeschenke aus, sind es in diesem Jahr laut Statistik schon 522 Euro. Doch nicht jeder kann oder will sich das leisten.  

Nachhaltigkeit statt Plastikmüll

Parallel zum Trend - schneller, höher, weiter - gibt es eine Gegenbewegung, die nicht auf Wachstum, sondern auf Nachhaltigkeit und letztlich auch aufs Sparen setzt. In Corona-Zeiten mit Kurzarbeit und der Unsicherheit, wie das Leben weiter geht, haben viele weniger Geld für Geschenke zur Verfügung. Andere wollen lieber etwas selbstmachen, sie basteln oder denken sich etwas tolles aus, was überrascht und eine große Freude macht – das gleichzeitig aber nicht unbedingt viel kosten muss.

Es gibt ja nicht nur die Müllers in Deutschland, für die es immer das Beste sein muss. Auf der anderen Seite steht Familie Schmidt. Sonja Schmidt sagt: „Viele Freunde und wir selbst, wir haben doch schon alles. Und wenn nicht, dann kaufen wir es uns eben schnell selbst.“

Corona verstärkt diesen Trend auch aus einem anderen Grund. Viele gehen wegen der Corona-Maßnahmen und aus Vorsicht seltener einkaufen. Dazu kommen Lieferengpässe. Der Rückzug ins Private ändert auch die Bedeutung der Werte, die vor der Pandemie gezählt haben. Viele schätzen nun die Bedeutung von Gesundheit höher ein als früher und denken neu über den Sinn des Lebens nach.

Lieber gemeinsame Zeit schenken

An Weihnachten 2021 werden auch wieder eher weniger Menschen zusammen feiern können. So muss man vielleicht auch weniger Menschen beschenken. Stattdessen kann man sich dann für jeden Einzelnen mehr Zeit nehmen. Und Zeit kann ein wertvolles Geschenk sein – etwas, das man eben nicht kaufen kann.

Mehr Zeit kann man sich auch vorab nehmen, um sich für jeden ein ganz persönliches Geschenk auszudenken. Worüber würden sich die Kinder, die Partnerin, der Partner, die Freunde denn wirklich freuen? Welche Erwartungen haben sie? Und wie schenkt man eigentlich von Herzen? Warum können einige Menschen das besser als andere? Wie machen die das?

Man sollte versuchen, sich in seine Lieben hineinzuversetzen, länger darüber grübeln, welches Geschenk eine besondere Freude machen würde. Hat er oder sie besondere Wünsche geäußert? Dazu muss man aufmerksam sein und gut zuhören. Vielleicht sollte man sowieso nur dann schenken, wenn man auch wirklich eine gute Idee hat.

Geschenkprofis raten, übers ganze Jahr schon Ideen zu sammeln, am besten dann auch die Geschenke gleich zu besorgen und nicht erst kurz vor Weihnachten in Hektik loszurennen. Manche besitzen sogar ein richtiges Geschenkelager, aus dem sie auch spontan, immer aus dem Vollen schöpfen können. Richtiges Schenken macht immer auch dem Schenker Freude – vor allem dann, wenn das Geschenk gut ankommt.  

Warum nicht Second Hand?

Sonja Schmidt würde bei Geschenken raten: Schönes statt Teures. Nervige Werbung ignorieren, die Bedürfnisse erst schafft. Wunschlisten schreiben lassen. Auch an gebrauchte Sachen denken. „Unsere Kleinen bemerken doch gar nicht, wenn die geschenkte Kleidung Second Hand ist“, sagt sie. Gebrauchte Artikel oder B-Ware zu Weihnachten verschenken, das können sich 33 Prozent der Deutschen vorstellen, so eine Umfrage der Meinungsforscher von Civey.

Wer nicht weiß, was er schenken soll, greift zum Gutschein. Doch optimal, das weiß jeder aus eigener Erfahrung, sind die nicht. Zu teuer schenken - auch nicht gut. Der Beschenkte kann sich dann unwohl fühlen. Besser sind kleine Dinge, die aber von Herzen kommen. Worüber hatte man sich selbst am meisten gefreut und warum? Wie war das früher, in der Kindheit?  

Man muss nicht immer etwas kaufen, man kann auch etwas basteln. Gute Ideen dazu findet man auch im Internet. Dort gibt es viele Seiten mit Tipps. Freunde, die handwerklich begabt sind, kann man auch um Rat bitten oder sich in der Bibliothek entsprechende Bücher leihen. Mit „Was soll ich schenken?“ gibt es sogar eine eigene Suchmaschine für Geschenkideen zum Selbermachen.

Mit Liebe selbst gemacht

Es gibt Menschen, die verschenken selbstgemachte Kosmetik und Parfüms, brennen Schnäpse, brauen Bier oder stellen Süßigkeiten auf dem Herd her. Auch Puppen und ihre Kleider werden selbst genäht. Es gibt aber auch ausgefallenere Ideen, etwa:

Man kann auch gemeinsame Zeit schenken, etwa eine Reise, an die man sich lange erinnert. Wie wäre es, jemandem einen lieben Brief zu schreiben, in dem man sagt, was man an ihm besonders mag? Wer künstlerisch begabt ist, könnte ein Bild malen, ein Gedicht schreiben oder ein Theaterstück verfassen.

Wenn einem gar nichts Gutes einfällt, könnte man vielleicht ein typisches Verlegenheitsgeschenk wie  Blumen, Kerzen, Süßigkeiten oder Alkohol schön verpacken. Gutscheine, die womöglich nie eingelöst werden, müssen doch nicht sein.  

Oder man überrascht die Menschen, die gar nicht mit einem Geschenk rechnen würden und die sonst vielleicht gar nichts bekommen.  

Beim Wichteln ist weniger mehr

Dann gibt es noch die, die sagen: „Dieses Jahr schenken wir uns gar nichts.“ Dabei bleibt meist bis zur letzten Minute unklar, ob das Versprechen wirklich eingehalten wird. Da ist das Wichteln doch eine gute Alternative. Dazu werden vorab Lose gezogen und damit festgelegt, wer wen beschenken darf.

Für alle Geschenke gibt es einen maximalen Peis. Die Geschenke liegen auf einem Haufen und wer eine Sechs würfelt, darf auspacken. Hinterher raten alle, von wem das Päckchen wohl gekommen ist.

Familie Müller oder Schmidt: Wer wird die schöneren Weihnachten haben? Am wichtigsten ist doch, dass zusammen gefeiert wird. Wenn jeder vorher klar sagt, wie es ihm am liebsten ist und man einen guten Kompromiss gefunden hat, werden die Geschenke schnell zur Nebensache.

Damit Weihnachten ein schönes Fest wird, braucht man nicht viel - und vor allem nichts Teures. Das Konto sollte man dafür auf jeden Fall nicht überziehen. „Es ist doch viel schöner, wenn man mit dem Kind Schlittenfahren oder Eislaufen geht, als dass es ein großes Plastikauto bekommt. Gemeinsame Zeit ist doch so kostbar“, findet Sonja Schmidt. Darüber will Familie Müller jetzt auch mal nachdenken.