Die 13 größten Inkassomythen – und was wirklich dahintersteckt

Rund ums Inkasso ranken sich Mythen und Halbwahrheiten – einige halten sich erstaunlich hartnäckig. Das müssen Sie wissen, zu Schufa-Eintrag, Betrugsfällen und Mahnungen.

1. Mythos: Die Inkassogebühren werden willkürlich festgelegt

Inkassounternehmen haben auf Euro und Cent genaue rechtliche Vorgaben, was sie berechnen dürfen. Inkassogebühren sind gesetzlich geregelt, und beruhen auf dem sogenannten Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG). Auch für Zusatzkosten, wie etwa Briefverkehr oder Gerichtsvollzieher, gibt es klare Vorgaben und Obergrenzen. Die Höhe der Gebühren richten sich nach der Höhe des finanziellen Rückstands. Eine Übersicht finden Sie in dieser RVG-Tabelle – Inkasso-Fälle orientieren sich normalerweise am Faktor 1,3. Das heißt, bei einem Forderungswert zwischen beispielsweise 1.000 und 1.500 Euro, darf das Inkassounternehmen 190,50 Euro an Gebühren geltend machen. Doch ab Oktober 2021 gibt es Veränderungen. Da tritt das „Gesetz zur Verbesserung des Verbraucherschutzes im Inkassorecht und zur Änderung weiterer Vorschriften“ in Kraft. Dadurch sinken die Inkassokosten für Verbraucher um durchschnittlich rund 30 Prozent. Übrigens: Bei Paigo zahlen Sie schon ab März weniger. Wir nehmen schon jetzt weniger Gebühren, als uns gesetzlich zustehen. Denn wir wollen eine Lösung, die für alle Seiten fair ist.

2. Mythos: Beim gerichtlichen Mahnbescheid vom Inkasso einfach Widerspruch einlegen, dann passiert nichts

Widerspruch sollten Sie nur dann einlegen, wenn Sie berechtigte Zweifel an der Forderung haben. Diese könnten beispielsweise sein, dass Sie gar nichts bestellt haben, die Ware schon zurückgesandt wurde, oder der Vertrag gar nicht zustande gekommen ist.  

Doch nur Widerspruch einzulegen, beendet die Zahlungsforderung nicht. Der Widerspruch muss auch begründet sein und will bewiesen werden. Bevor Sie einfach in Widerspruch gehen, setzen Sie sich lieber vorab mit der Forderung auseinander und schauen Sie, wie Sie diese begleichen können. Gerne helfen wir Ihnen dabei. 

3. Mythos: Mit Inkasso kommt automatisch der Schufa-Eintrag

Inkassounternehmen melden ihre Fälle, aber nicht immer an die Schufa. Denn es gibt mehrere dieser Auskunfteien in Deutschland. Viele Inkassounternehmen melden ihre Fälle der Schufa. Paigo macht das eher selten, nur wenn der Auftraggeber das ausdrücklich verlangt. Statt der Schufa melden wir an die Experian. Welche Daten genau weitergereicht werden, erfahren Sie in unserem Artikel zum Datenschutz.  

Doch warum melden Firmen und Inkassounternehmen überhaupt an eine Wirtschaftsauskunftei? Die Auskunfteien sammeln Daten, die etwas zur Bonität aussagen. Diese können dann wiederum als Warnfunktion für die Firmen wirken: eine geringe Bonität weist darauf hin, dass jemand eventuell nicht zahlen kann oder eine schlechte Zahlungsmoral hat.  

Paigo ist verpflichtet jederzeit Aktualisierungen an seine Auskunftei zu melden. Nur wer schnell zahlt und regelt riskiert keinen Eintrag. Gerne unterstützen wir Sie dabei und klären beispielsweise per Telefon oder E-Mail Ihre Fragen. 

4. Mythos: Eine Forderung muss nicht bezahlt werden

Selbstverständlich müssen Forderungen bezahlt werden. Das Geld für die Forderung erhält das Unternehmen, bei dem Sie in Zahlungsrückstand sind. Die Inkassogebühren hingegen bekommt das jeweilige Inkassounternehmen, für seine Bemühungen, zwischen Ihnen und dem Unternehmen zu vermitteln. Aufgepasst, je länger der Vorgang dauert und hinausgezögert wird, desto teurer wird es am Ende deshalb lieber zügig zahlen oder bei Fragen besser früher als später auf das Inkassounternehmen zugehen.

5. Mythos: Es muss erst eine Mahnung vom Unternehmen kommen, bevor Inkasso beauftragt werden kann

Rechtlich gesehen reicht es bereits, wenn jemand in Verzug gerät. Das passiert beispielsweise schon nach der gesetzlichen Zahlungsfrist von 30 Tagen, oder auch früher, wenn auf der Rechnung ein Zahlungsdatum definiert ist und noch keine Zahlung eingegangen ist. Doch Inkassounternehmen haben sich in Deutschland im Code of Conduct freiwillig darauf verpflichtet, dass mit mindestens einer Mahnung an die Zahlung erinnert wird, bevor sie aktiv werden. Denn sie, und auch die Unternehmen denen die Zahlung fehlt, sind an einer guten Beziehung zu Ihnen interessiert. Die Mahnung können Sie per Post oder auch per E-Mail erhalten haben. Zur Sicherheit schauen Sie doch auch in Ihrem Spam-Ordner nach.

6. Mythos: Inkasso wird bei kleinen Summen nicht beauftragt

Kleine Beträge können mal schnell durchrutschen. Umso ärgerlicher ist es, wenn sie zum Inkassofall werden. Denn Forderung ist Forderung – das gilt auch für 10 Euro. Alleine die Übergabe Ihrer Akte an ein Inkasso verursacht Kosten. Gerade bei kleinen Beträgen kann es im Verhältnis zur Forderung schnell richtig teuer werden. Die bessere Lösung: Kleine Beträge pünktlich begleichen. Denn zahlen viele Menschen diese Kleinbeträge nicht, kann es in der Summe für ein Unternehmen sehr viel Geld bedeuten. Hier lesen Sie, wie sich unsere Gebühren im Einzelnen berechnen.

7. Mythos: Inkassounternehmen müssen Ratenzahlung anbieten

Inkassounternehmen sind nicht gezwungen, Ratenzahlung anzubieten. Aber: Sie sind natürlich daran interessiert, Lösungen zu finden, die zum Alltag der Menschen passen. Deswegen bieten nahezu alle seriösen Inkassounternehmen heutzutage die Möglichkeit, Rückstände per Ratenzahlung zu begleichen. Dabei müssen sie aber nicht auf jeden Wunsch eingehen. Denn die Ratenzahlung muss immer auch zur Forderung passen. Wer Rückstände in Höhe von 5.000 Euro hat, kann sie eher nicht in 5-Euro-Raten abstottern. Das ist auch in Ihrem Interesse: Sie wollen schließlich auch irgendwann raus aus den Schulden.

8. Mythos: Mahnungen müssen per Post kommen, damit sie rechtlich verbindlich sind

Sie haben garantiert bereits mehrere Verträge online abgeschlossen. Denken Sie beispielsweise an Ihren letzten Handyvertrag. Sowie Verträge per E-Mail abgeschlossen werden können, können selbstverständlich auch Mahnungen per E-Mail kommen. Laut Gesetz kommt es darauf an, dass eine Mahnung zugestellt wird, aber nicht wie, ob per Post, Fax, E-Mail oder sogar mündlich. Eine Mahnung ist per E-Mail also rechtssicher. Sie meinen, Sie haben keine Mahnung erhalten, auch nicht per E-Mail? Bitte prüfen Sie auch Ihren Spam-Ordner, manchmal verirrt sich auch eine Mahnung hierhin.

9. Mythos: Wenn ich meine Rechnung rechtzeitig bezahlt habe, kann kein Inkasso kommen

Grundsätzlich ist das richtig. Aber der Teufel steckt manchmal im Detail: Ist die Zahlung beispielsweise zurückgebucht worden? Oder ist nur ein Teil des Betrags gebucht worden? Gab es einen Zahlendreher in der IBAN, oder konnte die Zahlung vielleicht wegen eines falschen Verwendungszwecks nicht zugeordnet werden? Stecken Sie im Falle von solchen Fragen nicht den Kopf in den Sand. Schauen Sie nach, wo der Fehler liegen könnte. Werden Sie nicht fündig, liefern Sie Ihrem Inkassounternehmen den Überweisungsbeleg. Vielleicht fällt den Mitarbeitern der Fehler sofort ins geschulte Auge.    

Bei Paigo bemühen wir uns solche Probleme schnell und unkompliziert aufzuklären. Am besten loggen Sie sich auf unserer Website ein, und senden uns eine Nachricht mit den Screenshots der Überweisung in Ihrem persönlichen Bereichauf paigo.com. 

10. Mythos: Wenn ich nichts bestellt habe, dann muss ich mich nicht kümmern

Sind Sie betroffen? Jetzt müssen Sie unbedingt handeln – auch wenn es nicht Ihre Schuld ist. Jemand hat Ihre persönlichen Daten genutzt und unter Ihrem Namen Einkäufe getätigt. Nehmen Sie unbedingt schnell mit dem Inkassounternehmen Kontakt auf, und dem Unternehmen, bei dem Sie angeblich etwas gekauft haben. Auf welche 9 Punkte Sie besonders achten sollten, sagt Ihnen unser Artikel „Das können Sie tun, wenn Fremde in Ihrem Namen eingekauft haben“.  

Solche Betrugsfälle sind schlimm und machen viel Arbeit, aber die Inkassounternehmen sind auf Ihre Unterstützung angewiesen. Sind Sie betroffen und bei Paigo, dann melden Sie sich über dieses Formular bei uns und wählen Sie „Betroffener von Identitätsdiebstahl“ aus. Wir helfen Ihnen dann gezielt. 

11. Mythos: Paigo beauftragt sowieso keinen Gerichtsvollzieher

Das möchten wir tatsächlich nicht. Wir wollen gerne ohne Gericht und Gerichtsvollzieher eine Lösung finden – denn sonst wird es nur unnötig teuer. Deswegen bieten wir Ihnen von Anfang an mehrere Möglichkeiten, wie Sie Ihre Rückstände begleichen können – etwa per Ratenzahlung, Sonderzahlung oder Zahlungsaufschub. Sprechen Sie mit uns! Gemeinsam finden wir eine Lösung, damit Sie in Zukunft nie wieder an einen Gerichtsvollzieher denken müssen.

12. Mythos: Wenn ich die Forderungen bezahle, entstehen keine Inkassokosten

Das ist nur dann richtig, wenn noch kein Inkassounternehmen eingeschaltet wurde. Sobald das Unternehmen, dem eine Zahlung fehlt, den Fall übergibt, entstehen auch Kosten fürs Inkasso. Dabei streckt das Unternehmen die Ausgaben vor – und hat also noch höhere Kosten für Geld, das es noch nicht hat. Wer sich im Inkasso befindet, muss also die Forderung und zusätzlich die Inkassokosten zahlen, so ist es gesetzlich geregelt. Auch wenn die Forderung schnell und als Erstes beglichen wird. Die gute Nachricht: Bei Paigo zahlen Sie im Schnitt etwas weniger als bei den meisten anderen Inkassounternehmen. 

13. Mythos: Reagieren muss man erst auf den Inkasso-Mahnbescheid

Je früher Sie sich mit der Zahlungsforderung auseinandersetzen, desto billiger wird es für Sie – so lautet eine alte Inkassoregel. Warum also erst auf den Mahnbescheid warten, Sie müssen sich früher oder später ja doch mit der Forderung beschäftigen. Und der Mahnbescheid kostet auch Geld, seine Höhe hängt von der Höhe der Forderung ab. Im übrigen wird der Bescheid nicht vom Inkassounternehmen, sondern vom Mahngericht versandt. Das Gericht fordert Sie damit auf, auf die Schreiben vom Inkasso zu reagieren. Wenn nicht reagiert wird, wird die Rechnung rechtskräftig, sie verjährt dann erst in 30 Jahren.

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