So prüfen Sie, ob Ihre Inkasso-Gebühren richtig berechnet sind

Haben Sie auch Post von einem Inkasso-Unternehmen bekommen und sich vielleicht über die Gebühren gewundert? Sich im Stillen darüber geärgert, dass es zusätzlich zur Forderung nun einen Aufschlag gibt? Hier erfahren Sie, ob diese Kosten richtig berechnet sind und wer ihre Höhe festlegt.

Gleich vorneweg: Das Geld für die Forderung bekommt weiterhin das Unternehmen, bei dem Sie in Rückstand geraten sind. Dieses Unternehmen hat nun entschieden, einen Inkasso-Dienstleister zu beauftragen. Dieser ist spezialisiert darauf, zwischen Ihnen und dem Unternehmen zu vermitteln und Lösungen zu finden. Die Gebühren kommen für die Arbeit des Inkasso-Unternehmens auf die Forderung obendrauf.

Kugelspiel Inkasso-Gebühren prüfen

 

Und wie rutschen Sie ins Inkasso? Es gibt im Wesentlichen drei Fälle, in denen ein Unternehmen einen Inkasso-Dienstleister beauftragen und vom Verbraucher Inkassokosten ersetzt verlangen kann:

  1. Sobald der Zeitpunkt für die Zahlung verstrichen ist, der auf der Rechnung genannt ist. Dies aber nur, wenn der Verbraucher auf der Rechnung darauf hingewiesen worden ist,
  2. Oder nach der gesetzlichen Zahlungsfrist von 30 Tagen,
  3. Oder nach Eintritt des Verzuges, was den Zugang einer Mahnung voraussetzt.

Die meisten Unternehmen sind jedoch geduldiger. Sie verschicken mindestens eine, in der Regel zwei Mahnungen, bevor es zum Inkassofall kommt. Schließlich sind sie an einer guten Kundenbeziehung interessiert – und wollen sich die Kosten fürs Inkasso sparen, die sie erst einmal auslegen müssen.

Briefe, Telefonanrufe, E-Mails und gerichtliche Verfahren: Inkasso-Unternehmen betreiben ordentlichen Aufwand, um das Geld einzutreiben – und dieser Aufwand will bezahlt werden. Je länger es dauert, bis gezahlt wird, desto höher ist der Aufwand. Entsprechend steigen auch die Gebühren.

 

Eigentlich sollten alle die gleichen Gebühren berechnen
– aber es gibt Ausnahmen

Inkasso-Unternehmen übernehmen Arbeiten, die als eine Rechtsdienstleistung gesetzlich definiert und entsprechend reguliert sind. Die Gebühren lehnen sich deswegen an das sogenannte Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) an. Üblicherweise wird für die Bearbeitung eines Inkasso-Auftrages ein Faktor von 1,3 angesetzt. Eine Tabelle dieser Gebühren finden Sie hier.

Trotzdem gibt es Unterschiede. Denn die Inkasso-Unternehmen haben die Möglichkeit, den Gebührenfaktor in dieser Tabelle anzupassen. Paigo hat beispielsweise zum 1. Januar 2021 den Faktor für fast alle Fälle um 0,1 Punkte gesenkt, um die Erhöhung der Gebühren im RVG auszugleichen. Damit zahlen Sie weniger als der Gesetzgeber es vorsieht, denn Paigo hält die Erhöhung für das falsche Signal inmitten der Corona-Pandemie. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

 

So berechnet sich die Höhe der Gebühren konkret

Die Höhe der Gebühren ist von zwei Aspekten abhängig: der Höhe der Forderung – und dem Aufwand, der während des Inkasso-Prozesses entsteht. Denn zusätzlich können folgende Kosten entstehen:

  • Für Telefon- und Portokosten dürfen Inkassounternehmen 20 Prozent auf das Inkassohonorar aufschlagen – aber allerhöchstens dürfen 20 Euro verlangt werden.

  • 25 Euro Inkassovergütung kann Sie ein sogenannter gerichtlicher Mahnbescheid kosten. Außerdem kommen hier auch noch zusätzlich Kosten des Gerichts obendrauf.
  • Gleiches gilt auch für die Kosten für eine Zwangsvollstreckung. Zudem werden Ihnen die Kosten des Gerichtsvollziehers in Rechnung gestellt.
  • Einigungsgebühren können entstehen, wenn man sich z.B. auf eine Zahlung in Raten einigt.

 

Zudem kann das Unternehmen, dem sie Geld schulden, weitere Kosten von Ihnen einfordern, die im Laufe der Zeit abseits des Inkassos entstanden sind:

  • Für die Zahlungserinnerungen vor der Inkassoabgabe darf der Gläubiger jeweils eine Mahnpauschale berechnen. Für die verzugsbegründende Mahnung darf er allerdings nichts nehmen. Auch Personalkosten darf er in eine Mahnpauschale nicht einrechnen.
  • Zinsen auf die eigentliche Forderung fallen ebenfalls zusätzlich an.
  • Adressermittlung und Bankrücklastschriften verursachen ebenfalls Kosten – die auf Ihre Rechnung gesetzt werden können. Die Kosten können bei der Adressermittlung je nach Aufwand schnell 15 Euro oder mehr erreichen.

 

Diese Kosten dürfen Ihnen nicht berechnet werden

Die erste Mahnung, die den Verzug begründet, muss kostenfrei sein – genauso wie die Übersendung der Forderungsaufstellung oder die Kontoführung. Pauschale Gebühren für jeden Anruf beim Schuldner dürfen ebenfalls nicht erhoben werden.

 

Drei Beispiele für die Berechnung der offiziellen gesetzlichen Gebühren

Die drei folgenden Beispiele zeigen eine typische Berechnung anhand gesetzlicher Vorgaben.

Achtung: Paigo weicht davon ab und ist im Regelfall günstiger!

 

Beispiel 1: Sie haben Schuhe für 100 Euro bestellt – und die Rechnung übersehen.

Mit erteiltem Inkassoauftrag wird, wie zwischen dem Inkassounternehmen und dem Gläubiger vereinbart, z.B. ein Faktor von 1,3 genommen. Laut Tabelle des RVG fallen 63,70 Euro an. Hinzu kommen die Kosten für die Kommunikation (hier: 12,74 Euro) – letztendlich summieren sich die Gebühren auf 76,44 Euro. Die Kosten sind vergleichsweise hoch – bei kleineren Summen lohnt es sich also umso mehr, pünktlich zu zahlen und Inkasso-Gebühren zu vermeiden.

Inkassogebühren Tab1

Achtung: Paigo weicht davon ab und ist im Regelfall günstiger!

 

Beispiel 2: Eine Immobilien-Kreditrate in Höhe von 1200 Euro ist wegen eines finanziellen Engpasses geplatzt.

Angewandt wird hier wieder ein Faktor von 1,3. Damit fallen laut RVG 165,10 Euro an. In diesem Falle kommt die Mehrwertsteuer auf die Gebühr mit drauf (35,17 Euro). Die Telekommunikationskosten steigen auf 20 Euro, zudem verlangt die Bank Zinsen in Höhe von 36 Euro. Letztendlich summieren sich die Gesamtkosten für den Zahlungsverzug auf 256,27 Euro.

Inkassogebühren Tab2

Achtung: Paigo weicht davon ab und ist im Regelfall günstiger!

 

Beispiel 3: Sie haben Handyrechnungen über 640 Euro nicht bezahlt und Mahnungen ignoriert. Ein Gerichtsvollzieher wurde zur Vollstreckung beauftragt.

Angewandt wird hier auch der Faktor von 1,3. Damit fallen laut RVG 114,40 Euro an. Die Telekommunikationskosten bleiben bei 20 Euro – das sind die vorgerichtlichen Inkasso-Kosten. Zudem fallen 25 Euro für die Beantragung eines gerichtlichen Mahnbescheides an. Zusätzlich möchte das Gericht für diesen Antrag noch 36 Euro Gerichtskosten. Dazu kommen die Kosten der Zwangsvollstreckung, für die dem Inkassounternehmen 31,68 EUR Gebühren und Auslagenpauschale zustehen und dem Gerichtsvollzieher mindestens 15 EUR zustehen. Letztendlich summieren sich die Gesamtkosten auf 242,08 Euro – ein gutes Drittel der ursprünglichen Forderung.

Inkassogebühren Tab3

Achtung: Paigo weicht davon ab und ist im Regelfall günstiger!

 

Es lohnt sich also, Inkassoprozesse schnell abzuschließen – denn sonst steigen die Kosten weiter.

 

Sie meinen, einen Fehler in der Gebührenberechnung gefunden zu haben?

Kontaktieren Sie das Inkasso-Unternehmen! Im Falle von Paigo können Sie das ganz einfach hier oder per Nachricht in Ihrem persönlichen Bereich klären.

Inkasso-Gebühren können also einen erheblichen Teil des Gesamtbetrages ausmachen – aber sie haben eine klare rechtliche und gesetzliche Grundlage. Je schneller Sie im Inkasso Ihre Rückstände begleichen, desto geringer bleiben die Gebühren. Noch besser ist es allerdings, es erst gar nicht so weit kommen zu lassen – und Rechnungen stets pünktlich zu begleichen.